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Causa Benko: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur skandalträchtigen Pleite

Schuldig oder nicht? Entscheidet der Oberste Gerichtshof kommende Woche gegen den Ex-Immo-Tycoon, pickt die erste Verurteilung im Rahmen der großen Signa-Aufarbeitung. Doch selbst bei einem Freispruch kann Benko noch lange nicht aufatmen.

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Kommende Woche ist es so weit: Der Oberste Gerichtshof (OGH) entscheidet über die erste der – bis dato nicht rechtskräftigen – strafrechtlichen Ver-urteilungen von Signa-Gründer René Benko. Für den gefallenen Tycoon, der sämtliche Vorwürfe immer bestritten hat, ist es die letzte Chance, strafrechtlich unbescholten aus der Affäre rauszukommen – zumindest vorerst. Denn über der einst stolzen Skyline des zusammengebrochenen Immobilien-Imperiums brauen sich bereits die nächsten dunklen Wolken zusammen. Insgesamt ist in den vergangenen Monaten für Benko nicht viel nach Wunsch verlaufen. Wo stehen die Causa Benko und die Signa-Aufarbeitung heute, mehr als zweieinhalb Jahre nach dem großen Zusammenbruch? Sieben Fragen, sieben Antworten.

1. Was macht Benko beim OGH?

Der Signa-Gründer wurde im Vorjahr in zwei separaten Verfahren am Landesgericht Innsbruck erstinstanzlich wegen des Vorwurfs der betrügerischen Krida verurteilt – einmal zu zwei Jahren unbedingter Haft und einmal zu 15 Monaten bedingt plus einer Geldstrafe. In beiden Causen wurde Benko jedoch gleichzeitig zu bestimmten Teilvorwürfen freigesprochen. All das ist bisher nicht rechtskräftig: Sowohl Benko als auch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) brachten Rechtsmittel ein. Am kommenden Donnerstag verhandelt nun erstmals der OGH über einen der beiden Fälle – und zwar über jenen, in dem es um zwei Jahre Haft geht: Das Landesgericht Innsbruck stufte eine Überweisung Benkos über 300.000 Euro an seine Mutter knapp vor dem Signa-Zusammenbruch und einige Monate vor Benkos eigenem Insolvenzantrag als Einzelunternehmer als Kridadelikt ein: Er habe das Geld damit seinen Gläubigern entzogen. Bezüglich einer Mietvorauszahlung von 360.000 Euro für eine Villa in Innsbruck sprach das Landesgericht den Signa-Gründer allerdings frei. Nun wird man sehen, wie der OGH das alles beurteilt. Die obersten Richter haben mannigfaltige Möglichkeiten: von einer finalen Entscheidung in der Sache selbst bis hin zu einem gänzlichen oder teilweisen Zurückschicken an die erste Instanz.

2. Wenn Benko gewinnt, ist dann alles erledigt?

Selbst ein voller Erfolg am kommenden Donnerstag beim Obersten Gerichtshof würde Benko nur kurz Gelegenheit zum Durchatmen verschaffen. Auch die zweite Innsbrucker Entscheidung – in dieser ging es um mutmaßlich vor Gläubigern versteckte Uhren in einem Safe – liegt bereits beim OGH. Darüber hinaus hat die WKStA vor einigen Tagen eine weitere, nunmehr bereits dritte Anklageschrift gegen den Signa-Gründer eingebracht. Zentraler Punkt darin: Benko soll die Familienstiftung von Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner, die bei Signa investiert war, um rund fünf Millionen Euro betrogen haben. Benko bestreitet auch diese Vorwürfe, die Anklage ist noch nicht rechtswirksam. Erstmals geht es nun allerdings um einen Millionenbetrag – und nicht mehr nur um die eigene Insolvenz Benkos, sondern direkt um das Signa-Imperium. Gleichzeitig hat die WKStA öffentlich gemacht, dass sie einen neuen Ermittlungsansatz verfolgt: Dabei geht es um den Verdacht des Prozessbetrugs gegen Benko und seine Ehefrau Nathalie. Die beiden sollen – um eine Zahlung an die Gläubiger zu vermeiden – eine Überweisung Benkos an seine Frau von zwei Millionen Euro fälschlicherweise als Unterhaltsleistung deklariert haben (siehe unten). Dies reiht sich in zahlreiche Vorwürfe gegen Benko ein, zu welchen die WKStA in den vergangenen zwei Jahren Ermittlungen gestartet hat. Darüber hinaus wurden auch Behörden in Deutschland und Italien aktiv. Benko hat sämtliche Vorwürfe immer bestritten. Ein Anwalt von Nathalie Benko ließ eine profil-Anfrage bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

3.Warum hat es Benko nicht geschafft, aus der U-Haft zu kommen?

Marina Delcheva

Marina Delcheva

leitet das Wirtschafts-Ressort. Davor war sie bei der „Wiener Zeitung“.

Stefan Melichar

Stefan Melichar

ist Chefreporter bei profil. Der Investigativ- und Wirtschaftsjournalist ist Mitglied beim International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 2022 wurde er mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Journalist*innenpreis ausgezeichnet.

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.