Resilienzseminare, PR, Pillen: Das machen Ex-FPÖ-Politiker heute
Der Höhenflug der FPÖ beschert den Blauen jede Menge Posten – im Parlamentsklub, in den fünf Landesregierungen, an denen die Freiheitlichen inzwischen beteiligt sind, und bei FPÖ-nahen PR-Beratern. Selbst Männer, die Parteichef Herbert Kickl einst als Verräter bezeichnet hatten, als sie zur FPÖ-Abspaltung BZÖ übergelaufen waren, docken nun wieder bei der FPÖ an.
Doch es gibt auch die, die mit ihrer alten Fraktion gebrochen haben – oder: hinauskomplimentiert wurden. Sie versuchen nun mehr oder weniger erfolgreich, in der Privatwirtschaft Fuß zu fassen. Ein Überblick.
Heinz-Christian Strache: Der resiliente Unternehmensberater
Eines muss man Heinz-Christian Strache lassen: Der ehemalige FPÖ-Chef und Vizekanzler gibt nicht auf, auch wenn sich die Wählerinnen und Wähler schon lange nicht mehr für ihn begeistern können. Mit seiner selbst gegründeten Liste Strache errang er bei der Wien-Wahl 2025 lediglich zwei Bezirksmandate – auf einem davon sitzt er selbst in Floridsdorf. 578 Euro monatlich bezieht er dafür. Nach seinem Ausscheiden aus der FPÖ gründete Strache die „PHI Beteiligungs- und Unternehmensberatungs GmbH“, deren alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer er zunächst war. Inzwischen befindet sich das Unternehmen zu 100 Prozent im Eigentum seiner ältesten Tochter Heidemarie; Strache fungiert weiterhin als Geschäftsführer. Die Firma berät Unternehmen bei Projekt- und Immobilienentwicklungen, Firmengründungen sowie Finanzierungen. Wer zu ihren Kunden zählt, verrät Strache allerdings nicht. Darüber hinaus ist er mit 12,75 Prozent an der „Orange Parking GmbH“ beteiligt, einem Unternehmen, das Kfz-Stellplätze vermietet.
Im Frühjahr stellte Strache außerdem sein neues Herzensprojekt vor: ein Krisenbewältigungsseminar für Unternehmerinnen und Unternehmer, Selbstständige sowie Führungskräfte. Auf dem Programm stehen unter anderem Resilienztraining, Meditation und Kommunikationsframeworks für schwierige Gespräche. Vier Stunden kosten regulär 749 Euro – Mittagessen und Meet-and-Greet inklusive.
Bei bis zu zwölf voll zahlenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern würde er immerhin knapp 9000 Euro verdienen. Nach dem Seminar postete Strache zufrieden ein Foto mit sieben Teilnehmers seines Kurses auf Instagram. Vorbei dürften die Zeiten sein, als Strache seine Facebook-Fans um Spenden bitten musste, weil er, wie er Ende 2021 postete, „am Rande des Ruins“ stehe.
Johann Gudenus: Der Russophile
Als Gudenus nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos von seinen politischen Ämtern zurücktreten musste, kehrte er der Politik gleich ganz den Rücken und machte sich im November 2019 als PR-Berater selbstständig. Welche Kunden er betreut, hält er geheim. Dafür ist er immer wieder als „Polit- und PR-Experte“ in unterschiedlichen Fernsehformaten, wie oe24, zu sehen. Auch Kreml-Journalisten gibt er oft und gerne Interviews. Vergangenen August sprach er mit dem russischen Propagandisten Patrick Poppel über die wirtschaftlichen Auswirkungen der anti-russischen Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs. Inwiefern der PR-Berater Experte in diesem Gebiet ist, ist fraglich. Dem Regime dürfte er also selbst Jahre nach dem Ibiza-Video gewogen bleiben.
Beate Hartinger-Klein: Die fleißige Pensionistin
Nach ihrem Ausscheiden aus der Politik machte sich auch die ehemalige Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz selbstständig. Im November 2019 meldete sie ihr Einpersonenunternehmen „Beate Hartinger-Klein Consulting“ an und berät seitdem Unternehmen im Gesundheits-, Pflege- und Sozialsystem. An eine Pensionierung denkt die 66-Jährige noch lange nicht: 2023 und 2024 brachte Hartinger-Klein zwei wissenschaftliche Bücher heraus: Eines über soziale Sicherheit und über die Gesundheitsversorgung mit Schwerpunkt Krankenhäuser.
Karin Kneissl: Die Auswandererin
Zwar war Karin Kneissl nie Mitglied der FPÖ, die ehemalige Diplomatin und Politikerin wurde jedoch auf Wunsch der Freiheitlichen zur Außenministerin berufen. Heute lebt sie gemeinsam mit ihren Tieren in Russland. Dort leitet sie auch ein eigenes Institut an der Universität St. Petersburg: den Thinktank „Geo-Political Observatory for Russia’s Key Issues“ (GORKI). Kneissl tritt regelmäßig in russischen Medien auf und verbreitet dort Positionen, die klar als russische Propaganda eingeordnet werden können. Allein vom Sender RT, der in der EU verboten ist, erhielt sie zwischen Februar 2024 und Juli 2025 laut veröffentlichten Angaben umgerechnet rund 90.000 Euro.
Zu Wladimir Putin pflegt Kneissl seit Jahren ein enges Verhältnis. Internationale Aufmerksamkeit erregte 2018 ein Foto, das den russischen Präsidenten als Gast auf ihrer Hochzeit zeigte.
Philippa Beck (vormals Strache): Die Mysteriöse
Philippa Beck bleibt ein Rätsel. Das letzte öffentliche Lebenszeichen gab es kurz vor der Nationalratswahl 2024, als sie noch als freie Abgeordnete im Nationalrat saß. Nach der Scheidung von Heinz-Christian Strache legte sie den prominenten Familiennamen wieder ab, auch ihre Social-Media-Profile verschwanden. Laut Firmenbuch (Wirtschaftscompass) ist Beck seit Februar 2025 selbstständig. Im April 2025 wurde sie zudem in die Geschäftsführung der „Kostad Steuerungsbau GmbH“ bestellt. Das Unternehmen war auf die Herstellung von Elektrizitätsverteilungs- und Schalteinrichtungen spezialisiert. Bereits einen Monat nach Becks Dienstbeginn meldete die Firma Insolvenz an. Im Zuge des Verfahrens vertrat die Arbeiterkammer Niederösterreich 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Jobs verloren haben.
Norbert Hofer: Der Energiegeladene
Wer noch Nahrungsergänzungsmittel mit Norbert Hofers Konterfei bestellen möchte, muss sich beeilen: Das Unternehmen, das den ehemaligen FPÖ-Klubobmann als Produktgesicht eingesetzt hat, stellt die Produktion der entsprechenden Präparate mit Vitamin C und ähnlichen Supplements in der kommenden Woche ein. Auch die Glücks-Pillen („Formula Fortuna“), die Hofer einst über Amazon verkauft hat, gibt es nicht mehr zu erwerben.
Obwohl er im Februar 2026 die Obmannschaft der FPÖ Burgenland abgegeben hat, sitzt er weiterhin als Abgeordneter im burgenländischen Landtag.
Sein LinkedIn-Profil vermittelt den Eindruck, als wäre Norbert Hofer auch abseits der Politik hochaktiv. Daneben ist Hofer als Gesellschafter der „Binder-Leitl Investment GmbH“ tätig, fungiert als Vizepräsident der steirischen Energiefirma „Emerald Horizon AG“ und gehört dem Vorstand der Unternehmensberatung „BlackSwan Capital“ an. Gemeinsam mit dem Unternehmer und Influencer Walter Temmer gründete er zudem die „GMP Garagen Mieten Pinka GmbH“. Das Unternehmen erwirbt, entwickelt und verwaltet Immobilien, Photovoltaikanlagen und Garagenparks; Hofer ist daran als Shareholder beteiligt. Kürzlich schloss er außerdem sein Masterstudium für Risiko- und Krisenmanagement an der Hochschule Burgenland ab.