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04/13/2021

Haben Sie Ungarn ungern?

Warum Prinz Harry vielleicht nicht am Begräbnis seines eigenen Großvaters teilnimmt.

von Gernot Bauer

Guten Morgen!

Vom mit Rainer Nikowitz (bitte lesen Sie hier!) witzigsten Schreiber deutscher Zunge, Max Goldt, stammt die schöne Sentenz, er sei „gern in Ungarn“, obwohl es „sprachlich reizvoller“ wäre, „ungern in Ungarn“ zu sein. Wir Österreicher haben Ungarn gern, so gern, dass wir uns einen Teil davon, das Burgenland, nach dem Ende der Monarchie einfach behalten haben. Andernfalls wären Persönlichkeiten wie Didi Kühbauer oder Hans Peter Doskozil heute keine Österreicher.

Leider haben die Ungarn derzeit ein Image-Problem, fast so arg wie AstraZeneca. Sie leisten sich mit Viktor Orbán, der im Ungarischen Orbán Viktor heißt (Ungarn vertauschen wie die Oberösterreicher Vor- und Nachnamen: „der Stelzer Thomas“, „die Fekter Maria“, „der Rainer Christian“), einen Ministerpräsidenten, der George Soros, die Europäische Volkspartei und profil für seine und damit Ungarns Feinde hält. Lesen Sie dazu den Leitartikel von Robert Treichler.

Elisabeth & Diana

Mit ungarischen Ministerpräsidenten haben wir Österreicher schlechte Erfahrungen gemacht, vor allem im Jahr 1867 mit dem allerersten, Gyula Andrássy. Schlimm genug, dass Graf Andrássy sich gegen unseren Kaiser erhob. Obendrauf beging er Hochverrat, indem er sich an Franz Josephs Gemahlin Elisabeth ranmachte. Die Geschichtslehre weiß es nicht genau, aber wahrscheinlich ist Sisi Andrássys magyarischem Charme erlegen. So etwas kommt in den besten Königshäusern vor.

Lady Diana zog es bekanntlich vom etwas trägen Thronfolger Charles zum feurig-rothaarigen Rittmeister James Hewitt hin, gerüchteweise mit skandalösesten Auswirkungen auf den Stammbau der Windsors. Insofern ist es auch nicht zweifelsfrei gesichert, dass Prinz Harry am 17. April auf Schloss Windsor wirklich am Begräbnis seines Großvaters teilnimmt. Der im 100. Lebensjahr verstorbene Prinz Philip verglich seine Existenz als Königin-Gemahl einmal mit einer „Amöbe, einer verdammten Amöbe“. Mehr zum Tod der Jahrhundertfigur lesen Sie bei Angelika Hager.

Amöbe heißt auf Ungarisch übrigens „amöba“. So schwer, wie man immer hört, dürfte Ungarisch also gar nicht sein. Mit Ausnahme der Ortsbezeichnungen: Da gibt es etwa Hódmezővásárhely in Südungarn. Eine Städtepartnerschaft zwischen Hódmezővásárhely und Llanfairpwllgwyngyll in Wales würde sich in einer Satire von Max Goldt gut verarbeiten lassen.

Wales trauert wie das gesamte United Kingdom um den Duke of Edinburgh. Über den Verlust können sich die Briten in ihren Biergärten trösten, die nach Monaten im Lockdown wieder öffnen. In britischen Biergärten gibt es bekanntlich warmes Bier bei kaltem Wetter. Österreicher und Ungarn, so viel ist bei aller Irritation gewiss, wären dort gemeinsam ungern.

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Gernot Bauer

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