Stefan Magnet: Der rechtsextreme Publizist und Werbeunternehmer rief nicht nur zur Teilnahme an Demos gegen die Corona-Maßnahmen auf, sondern marschierte auch selber mit, wie hier in Wien.
Österreich

Land Oberösterreich stoppte Aufträge für Rechtsextremen Magnet

Einst war der Verschwörungsmedien-Zampano Stefan Magnet bei freiheitlichen Landesräten wohlgelitten. Nun trieb er es offenbar zu bunt.

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Beim rechtsextremen Medienmacher Stefan Magnet, der hinter dem Online-Sender AUF1 steht, ist oft nicht ganz klar, welche Verschwörungsmythen er selber glaubt und welche er aus Kalkül verbreitet. Fest steht: in Magnets Alternativmedium findet sich ein Sammelsurium der krudesten Theorien.

Da ist von Bedrohungen durch dunkle Mächte, der „Corona-Diktatur“, einem Austausch der Bevölkerung durch Zuwanderer und dem „Great Reset“ die Rede. All das wurde vielfach widerlegt, doch das schert Magnet nicht. Garniert werden die Schaudermärchen mit Antiamerikanismus und Verständnis für die russische Position. Hin und wieder kommen auf dem Sender sogar Islamisten zu Wort, um ihre Israelfeindlichkeit auszubreiten.

Finanziert wurde Magnet - der neben seinem Medienprojekt auch eine Werbeagentur betreibt - mitunter vom Land Oberösterreich. Die ehemaligen freiheitliche Landesräte Wolfgang Klinger, Elmar Podgorschek sowie die bis heute aktiven Landesräte Günther Steinkellner und Landeshauptmann-Stv. Manfred Haimbuchner hatten auf Magnets Skills in Sachen Social Media und Videoproduktion gesetzt und seine extremen Ansichten zumindest in Kauf genommen. Dafür flossen in den Jahren 2015 bis 2022 stolze 140.492 Euro an die Agentur des rechtsextremen Coronaleugners. Ein profil-Bericht, der die Aufträge vom Land an Magnet aufdeckte, sorgte damals, mitten im oberösterreichischen Landtagswahlkampf, für Wirbel.

Nun wurde Magnet offenbar von offizieller Stelle der Geldhahn zugedreht: Vom Land flossen seit März 2022 keine Gelder mehr an Magnets Agentur und Medien. Das zeigt eine Anfragebeantwortung von ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer an die oberösterreichischen Neos. 

Neos-Chef Felix Eypeltauer verbucht die Streichung der Gelder auch als seinen Erfolg. Die Geldströme seien „endlich unterbunden“ worden, für rechte Medien dürfe es auch in Zukunft keine Landesmittel mehr geben. 

Dieser Wunsch des Neos-Mannes dürfte sich erfüllen. Denn die FPÖ Oberösterreich unter ihrem Landesparteichef Manfred Haimbuchner will dem Vernehmen nach nicht mehr an solchen Medienprojekten - dazu zählt neben AUF1 auch die Postille „Info Direkt“, die einst von Magnet mitbetrieben wurde - anstreifen. Das zeigt sich auch an der Berichterstattung dieser Medien. Während Herbert Kickl bei AUF1 und „Info Direkt“ unkritisch verehrt wird, kommt Haimbuchner entweder gar nicht vor oder wird sogar für seinen vermeintlich zu liberalen Kurs gegeißelt.

AUF1 selbst berichtete gestern von einer 195.000 Euro Strafe, die sie von einer Landesmedienanstalt" aufgrund von „verboten platzierten Themen“ aufgebrummt bekommen hätten. Um welche Behörde es sich handelte, sparte Magnet aus. Wie profil in Erfahrung brachte, geht es um ein Bußgeld, dass die Medienanstalt für Baden-Württemberg im November 2023 gegen den in Deutschland lizenzierten TV-Sender SRGT ausgesprochen hat. Hintergrund: Nach dem deutschen Medienrecht muss ein Fernsehsender wie SRGT in der Lage sein, redaktionell-unabhängig über die Inhalte des eigenen Programms zu entscheiden. Da AUF1 aber beträchtliche Summen dafür zahlte, ab September 2023 seine Inhalte täglich über mehrere Stunden auf SRGT in Deutschland auszustrahlen, lag ein Verstoß vor. 

Die Geldbuße gegen SRGT möchte nun offenbar Magnet tilgen und bitte dafür um Spenden. Ebenjene Spenden sind aber nicht die einzigen potenziellen Einnahmequellen des rechtsextremen Medienmachers: Über einen Onlineshop verkauft er Produkte für die drohende Apokalypse, darunter Dosennahrung und Notstromaggregate.

Julian Kern

Julian Kern

ist seit März 2024 im profil-Digitalteam. War zuvor im Wirtschaftsressort der "Wiener Zeitung".

Jakob   Winter

Jakob Winter

ist Digitalchef bei profil und leitet den Faktencheck faktiv.