Werden in Syrien tatsächlich Zivilisten mit Giftgas getötet?
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Werden in Syrien tatsächlich Zivilisten mit Giftgas getötet?

Die Weltlage ist verwirrend. Wie schaffen wir es, uns entspannt über strittige Probleme der Zeit zu unterhalten? Ein profil-Guide, Teil 8.

Ja. Das haben Experten der unabhängigen Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in den vergangenen Jahren in mehreren Fällen zweifelsfrei festgestellt - unter anderem durch Gewebeproben von Opfern und Bodenanalysen. Die Organisation machte für die meisten Giftgasangriffe das Assad- Regime verantwortlich, in zumindest einem Fall aber auch die Terrormiliz "Islamischer Staat". Über die mutmaßliche Attacke auf die Stadt Douma, die am vorvergangenen Wochenende als Begründung für westliche Luftangriffe auf Syrien herangezogen wurde, gab es bis Ende vergangener Woche keine gesicherten Erkenntnisse.

Warum nicht?

Weil die OPCW-Experten bis dahin keinen Zugang zum Tatort hatten: Sie mussten erst nach Syrien anreisen, als sie dann mit der Arbeit beginnen wollten, wurde das durch eine Schießerei verhindert. Die Fachleute sind aber trotzdem zuversichtlich, immer noch herausfinden zu können, ob in Douma Giftgas eingesetzt wurde.

Und wann kehrt endlich Ruhe in Syrien ein?

Vermutlich nicht so bald. Es gibt noch einige Gebiete, die von Aufständischen kontrolliert werden: vor allem an den Grenzen zur Türkei im Norden und zu Jordanien im Süden. Das Regime ist zwar dabei, sie nach und nach zurückzuerobern, aber das kann noch einige Zeit dauern. Dann bleiben noch jene Landesteile, in denen inzwischen die syrischen Kurden die Macht übernommen haben. Das passt auch der Türkei nicht in den Kram, was für zusätzlichen Ärger sorgen dürfte. Wer soll eigentlich den Krieg in Syrien gewinnen, wenn es nach dem Westen geht? Nächste Frage, bitte. Rückblickend wäre es am besten, dieser Krieg hätte nie begonnen.

Sagen Sie: "Egal wer es war - es muss alles getan werden, um die Verantwortlichen für die Giftgas-Einsätze zu finden."

Sagen Sie nicht: "Den USA geht es immer nur ums Öl."

25 Fragen, um die Welt zu erklären:

Teil 1: Werden wir Donald Trump in absehbarer Zeit los?
Teil 2: Gibt es eigentlich noch Mittelmeerflüchtlinge?
Teil 3: Sind die Rechtspopulisten in Europa noch im Vormarsch?
Teil 4: Ist die #MeToo-Bewegung noch aktiv?
Teil 5: Ist Sebastian Kurz nicht zu jung für sein Amt?
Teil 6: Wie beliebt ist Justin Trudeau?
Teil 7: Entscheidet Facebook tatsächlich Wahlen?

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  • pete lüdin (zomboliti) Mo, 21. Mai. 2018 12:00

    1)
    Der Westen besitzt offensichtlich nicht die Fähigkeit, die komplexen ethnischen, politischen sowie religiösen Verhältnisse und Strukturen im Mittleren Osten zu durchschauen.
    Bereits die Kriege in Afghanistan und die dank US-Unterstützung einst als Verbündete im Kampf gegen die ehemalige UdSSR aufgerüsteten Taliban stellen ein Beispiel dafür dar, dass vermeintliche "Allianzpartner "...

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    • pete lüdin (zomboliti) Mo, 21. Mai. 2018 12:01

      2)
      weder die geostrategischen noch die politischen Zielsetzungen des Westens, geschweige denn dessen Verständnis von Demokratie teilen.
      Der Westen ist vielmehr gut beraten, ausschliesslich den Maximen einer seinen eigenen Interessen dienenden Realpolitik zu folgen, insbesondere wenn es um die Verhinderung weiterer Migrationsströme nach Europa geht.

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    • pete lüdin (zomboliti) Mo, 21. Mai. 2018 12:01

      3)
      Die Herstellung demokratischer Verhältnisse im Mittleren Osten ist nicht die Aufgabe des Westens.

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  • Markus Szyszkowitz (m.szy)
    Markus Szyszkowitz (m.szy) Do, 10. Mai. 2018 12:19

    Den USA geht es immer nur ums Öl.
    (trotz Verbotes durch den Redakteur :) ...)

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