die Traditionsmanufakturen der Westernboots, wie Rios of Mercedes, auf südafrikanisches Straußenleder angewiesen. Doch Trump belegte Südafrika im August mit 30 Prozent pauschalen Zöllen, was für die Stiefelmacher einen enormen Preisanstieg bei ihrem essenziellsten Produktionsmittel bedeutet. Trumps Idee, auf diese Weise die heimische Produktion zu fördern, ist genauso wahnwitzig wie absurd. Rios of Mercedes erwägt nun sogar eine Fertigstellung seiner Boots im Trumpschen Feindesland Mexiko. Eindeutig: Trumps Zölle sind schlechte Zölle.
Mit der EU wurde im Sommer ein Basiszoll von 15 Prozent vereinbart. Jedes Gut, das aus einem EU-Land in die USA verkauft wird, wird dort also mit 15 Prozent Aufschlag bezollt. Aber: „Das, was wir mit Trump vereinbart haben, ist rechtlich nicht bindend. Da kann jeder jederzeit aussteigen“, meint Ökonom Oberhofer.
Kapitel 2: Gestählte Grenzen
Wenn Trump mit seiner Zollkeule signalisiert: „Take your business elsewhere“, dann tun das auch einige Exportmächte – allen voran China. Für Europa ist das leider doppelt schlecht. Denn die US-Zölle erschweren nicht nur den Export heimischer Güter in die USA. Alles, was China dort nicht mehr verkauft, wird zu Dumping-Preisen auf dem EU-Markt angeboten. Heimische Industrieunternehmen, die hier Löhne und Steuern zahlen, können da oft nicht mehr mithalten. Für 2026 werden über 720 Millionen Tonnen überschüssigen Stahls weltweit erwartet. Allein 2024 sind im europäischen Stahlsektor etwa 18.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.
Also machte die EU etwas, das sie Trump noch kurz zuvor als Protektionismus ausgelegt hatte: Sie reagierte mit Gegenzöllen. Um den eigenen Stahlmarkt zu schützen, schlug die Kommission im Oktober vor, die Zölle auf Stahlimporte aus billig produzierenden Staaten wie China ab Sommer 2026 von 25 auf 50 Prozent zu erhöhen.
Ist das nun der gute Zoll unter den vielen bösen? Kurzfristig vielleicht schon. Oberhofer gibt zu bedenken: „Wenn wir strukturell nicht zu diesen Preisen produzieren können, stellt sich die Frage, ob die Produktion in Europa überhaupt eine Zukunft hat.“ Langfristig sei der Zoll kein Ersatz für Wettbewerbsfähigkeit, er schützt aber jedenfalls kurzfristig vor noch mehr Kündigungen in der heimischen Industrie.
Ob diese Zölle aber tatsächlich kommen, muss der Rat der EU-Regierungschefs erst noch entscheiden. Fest steht, dass Trumps Zollpolitik den Welthandel verkompliziert hat. Und sie zwingt auch andere Wirtschaftssysteme dazu, möglichst rasche und simple Lösungen für komplexe Probleme zu schmieden.
Kapitel 3: ,,Grüner Kolonialismus“
Etwas, das schon in Kraft ist und ab 2026 tatsächlich Geld kosten wird, sind Europas Klimazölle. Ganz ohne Stahlimporte kommt die EU nicht aus. Doch die Stahlproduktion ist extrem CO2-intensiv.
Während europäische Produzenten für jede ausgestoßene Tonne CO2 Umweltauflagen zahlen müssen, gelten diese Klimastandards außerhalb der EU nicht. Indische oder chinesische Produzenten können also Stahl billiger und ohne Rücksicht auf die Umwelt produzieren und verkaufen. „In einer idealen Welt hätten wir eine globale Vereinbarung über eine einheitliche CO2-Bepreisung. Momentan hat immer ein Land den Anreiz, von Klimamaßnahmen abzuweichen, weil man glaubt, davon profitieren zu können“, erklärt Oberhofer.
Die Antwort der EU auf dieses Dilemma heißt Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM). Dieser CO2-Zoll soll die sogenannte Carbon Leakage verhindern, also die Verlagerung emissionsintensiver Produktion in Staaten mit schwachen Umweltauflagen. Bei der Einfuhr in die EU müssen Unternehmen ab Jänner eine Art Ausgleichszoll für die bei der Produktion verursachten Emissionen bezahlen. Und damit verlieren Umweltsünder ihren Wettbewerbsvorteil. Also: Guter Zoll?
Nun ja. International wird CBAM als „grüner Kolonialismus“ verurteilt, die EU dränge ihre Ideen anderen Staaten auf. Auch innerhalb der EU regt sich Kritik. CBAM betrifft vor allem Vorleistungen wie Stahl oder Zement, nicht aber fertige Produkte. CBAM sei im Detail nur schwer umsetzbar, so Oberhofer. Betriebe, die besonders ressourcenintensiv produzieren, haben keinen Anreiz, ihre Emissionen zu senken, weil sie mit einem einheitlichen Standardsatz bezollt werden. Und wer wenig emittiert, muss das bürokratisch umständlich erst nachweisen. Hier gilt, was auf viele EU-Bestimmungen zutrifft: sehr gut gemeint, aber sehr kompliziert gemacht.
Kapitel 4: Ramschzoll
In der Feiertagszeit stapeln sich die Packerl vor unseren Wohnungstüren. Immer mehr davon kommen von Billigplattformen aus China wie Temu oder Shein. Etwa zwölf Millionen Pakete solcher Billigprodukte werden in die EU verfrachtet – jeden Tag. profil widmete der Paketflut aus China unlängst eine eigene Cover-Story. Sehr häufig umweltschädlich, gesundheitsgefährdend, mangelhaft oder unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert, drängen die Ramschartikel über die europäische Grenze – viele von ihnen zollfrei, so die Kritik der europäischen Konsumentenschützer. Denn Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro sind bisher vom Zoll ausgenommen. Wenig überraschend hat sich die Anzahl der Zollfrei-Pakete deshalb seit 2021 mehr als verdreifacht. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht: Europäische Händler müssen Zölle, Steuern und Standards einhalten, während asiatische Plattformen ihre Waren über rechtliche Schlupflöcher extrem günstig anbieten können. Das verursache laut Handelsverband allein in Österreich einen Schaden von bis zu 4,5 Milliarden Euro. Bis jetzt.
Im November beschloss die EU die Abschaffung der 150-Euro-Kulanz. Der Trash-Strom soll eingedämmt, Umwelt, Gesundheit und heimische Wirtschaft geschützt werden. Ein wahrlich guter Zoll, findet Ökonom Oberhofer. „Denn immer, wenn man für die Regeln gewisse Ausnahmen kreiert, schafft das Anreize, diese Ausnahmen zu nutzen. Bei diesen Zöllen kann man sagen: Das ist richtig.“
Epilog
Kriege, Protektionismus, Klimakrise. Das alles verändert den Weltmarkt. „Wir leben in einer globalisierten Welt, weil wir nach dem Zweiten Weltkrieg eine globale, liberale Handelspolitik kultiviert haben“, erklärt Oberhofer. „Wir sehen nun den Schaden, der entsteht, wenn man die extrem liberalen Handelsverflechtungen der Weltwirtschaft plötzlich zurücknimmt.“ Wem Protektionismus nützt und wem er schadet, liegt aber auch im Auge des Betrachters. Wie so oft, ist auch die Welt der Zölle nicht schwarz oder weiß.