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Medikamenten-Debatte: „Faire und nachhaltige Preise“

Während Gesundheitsministerin Korinna Schumann in die Diskussion um Arzneimittelpreise einsteigt, sorgt das Informationsfreiheits-Match rund um das Krebsmedikament „Keytruda“ nun auch jenseits des Atlantiks für Aufsehen.

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Es ist politisch ein ganz heißes Eisen: Was tun, um die wachsenden Arzneimittelkosten im Gesundheitssystem in den Griff zu bekommen? Neben Politik und Sozialversicherung seien auch die Pharmaunternehmen gefordert, faire und nachhaltige Preise sicherzustellen, hielt Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) diese Woche gegenüber dem „Ö1-Morgenjournal“ fest. Unmittelbarer Anlass: die Präsentation des „Heilmittelreports“ des Dachverbands der Sozialversicherungen.

Bei den Sozialversicherungen geht es in erster Linie um die Medikamentenversorgung im Bereich der niedergelassenen Ärzte. Arzneimittelkosten spielen jedoch naturgemäß auch in den Spitälern eine wichtige Rolle. Und hier setzt eine Recherche an, die profil seit einigen Monaten intensiv beschäftigt: Dass journalistische Aktivitäten bis vor den Verfassungsgerichtshof führen, kommt schon für sich allein genommen nicht alle Tage vor. Wenn der Fall noch dazu einen der größten Pharma-Konzerne und eines der wichtigsten Medikamente der Welt betrifft, sorgt das jedoch sogar jenseits des Atlantiks für Aufsehen.

„Merck takes Austria’s Keytruda price transparency battle to top court as journalists fight for information“, titelte vor wenigen Tagen das „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICIJ) mit Sitz in Washington – eine weltweit führende Organisation, wenn es um die Koordination globaler Rechercheprojekte geht. Die jüngste derartige Kooperation trägt den Namen „Cancer Calculus“ (grob übersetzt: Krebs-Kalkül) und befasst sich mit dem Business rund um das umsatzstärkste verschreibungspflichtige Medikament der Welt – das Krebsmittel „Keytruda“ des Herstellers Merck.

Projekt „Cancer Calculus“

Insgesamt 48 Medien aus 37 Ländern – darunter profil – haben sich unter Leitung des ICIJ daran gemacht, diverse Schattenseiten des Business rund um „Keytruda“ auszuleuchten. profil berichtete erstmals Mitte April über den frappierenden Umstand, dass das Krebsmittel zwar jenes Medikament ist, für das die Spitäler der öffentlichen Hand in Österreich am meisten Geld ausgeben – dass jedoch nicht einmal das Gesundheitsministerium weiß, wie hoch der Preis pro Dosis ist.

Das liegt daran, dass die Beschaffung derartiger Spitalsmedikamente direkt durch die jeweiligen Landeskrankenhausbetreiber erfolgt und diese den Preis jeweils geheim halten. Zwar gibt es einen offiziellen Listenpreis – wie viel tatsächlich bezahlt wird, hängt jedoch von allfälligen Rabatten und Nachlässen ab. Bei der „Keytruda“-Beschaffung geht es um riesige Beträge. Experten sehen in der „Informationsasymmetrie“ einen Nachteil für die öffentliche Hand.

Mehr als tausend Auskunftsbegehren

profil hat sich daher – gemeinsam mit dem „Cancer Calculus“-Recherchepartner „Der Standard“ – daran gemacht, mithilfe des neuen Informationsfreiheitsgesetzes Licht ins Dunkel rund um die „Keytruda“-Beschaffung zu bringen. Es folgte ein Reigen an Verfahren bei Landesverwaltungsgerichten quer durch Österreich, um dort Informationen zugesprochen zu bekommen, welche von den Spitalsbetreibern verweigert wurden. Mittlerweile hat die Angelegenheit den Verfassungsgerichtshof erreicht. Dort will die österreichische Merck-Firma gleich auch wesentliche Aspekte des Informationsfreiheitsgesetzes selbst kippen – profil berichtete.

Mit dieser drastischen Entwicklung hat das Gerichts-Match in Österreich damit wohl eine besondere Dimension erreicht – mit ihren Transparenz-Bestrebungen stehen „profil“ und „Standard“ jedoch alles andere als alleine da: Im Rahmen des Projekts „Cancer Calculus“ hätten beteiligte Medien in 27 Ländern insgesamt mehr als eintausend Auskunftsbegehren an die öffentliche Hand („public records requests“) gestellt, schreibt das ICIJ. 

Krypto-Projekt ausgezeichnet

„profil“ war in den vergangenen Jahren an einer ganzen Reihe von ICIJ-Projekten beteiligt. Eines davon – eine Ende 2025 veröffentlichte Recherche über die dunklen Seiten von Krypto-Börsen unter dem Titel „The Coin Laundry“ – wurde dieser Tage ausgezeichnet: Die „Society of Professional Journalists“ würdigte das ICIJ und die 37 beteiligten Partnermedien mit einem ihrer begehrten „Sigma Delta Chi Awards“.

Stefan Melichar

Stefan Melichar

ist Chefreporter bei profil. Der Investigativ- und Wirtschaftsjournalist ist Mitglied beim International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 2022 wurde er mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Journalist*innenpreis ausgezeichnet.