Tsveti D. (rechts) am Weg in den Verhandlungssaal 203
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Mutmaßliche Spionin berichtet von Laptop-Übergabe an Russland

Die Bulgarin Tsveti D. hat profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer beschattet. Nun ist die mutmaßliche Spionin selbst Zeugin gegen Egisto Ott.

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Unscheinbar und verängstigt wirkt die Frau, die vor dem Saal 203 im Wiener Straflandesgericht wartet. Wer in den langen Gängen des Grauen Hauses an ihr vorbeigeht, würde die 49-jährige Bulgarin wohl für eine Angehörige halten, vielleicht ein Opfer, das sich auf eine belastende Aussage vorbereitet. Niemand würde wohl vermuten, dass Tsveti D. ein entscheidendes Rädchen im größten Spionageskandal der Zweiten Republik ist.

Tsveti D. beschattete profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer, beobachtete die Wiener Wohnung des kremlkritischen Investigativjournalisten Christo Grozev und klebte vor Redaktionen Sticker auf, die Stimmung gegen die Ukraine machen sollten. All das gab Tsveti D. gegenüber der Polizei zu. Nur dass sie im Auftrag von Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek für Russland gehandelt hat, will sie nicht gewusst haben.

Donnerstagmittag muss Tsveti D. die Wahrheit sagen. Die Bulgarin ist als Zeugin am Wiener Landesgericht geladen. Hier geht es allerdings nicht um die Frage, ob sie selbst für Russland spioniert hat, ihr Verfahren läuft gesondert weiter. Stattdessen soll die Bulgarin dabei helfen, herauszufinden, wo sich Lecks in Österreichs Sicherheitsapparat befinden. 

Tsveti D. ist eine der wichtigsten Zeugen im spektakulärsten Spionageprozess des Landes: dem Verfahren gegen Egisto Ott.

Max Miller

Max Miller

ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und mag Grafiken. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.