Exklusiv: ORF-Manager Pius Strobl freigestellt
Pius Strobl ist der beste Mann am ORF-Küniglberg. Oder der mächtigste. Zumindest möchte man das glauben, wenn man das Gehaltsranking des Öffentlich-Rechtlichen ansieht. Das führte Strobl mit Abstand an und verdient etwa mehr als zuletzt ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Warum? Da müssen Sie Weißmanns Vorgänger Alexander Wrabetz fragen. Der hat ihm den Vertrag gegeben – und auch einen, über eine Millionenpension. Warum? Das ist Gegenstand von Untersuchungen der Staatsanwaltschaft. Und Ingrid Thurnher hat Pius Strobl nach profil-Informationen am Montag dienstfreigestellt. Soweit wir wissen: Nicht deshalb. Es gibt andere Vorwürfe – und es geht um Compliance.
Derzeit will man am Küniglberg dazu keine Fragen beantworten – um 14 Uhr tagt der Finanzausschuss des Stiftungsrates, dort soll berichtet werden. Strobl selbst beantwortete einen Anruf von profil nicht. Genaueres weiß man also noch nicht, er hätte aber viele Themen: Etwa, dass er seit Jahren beim ORF arbeitet, und mit ihm mit seinen Firmen Geld verdient. Oder: Dass er während Krankenständen anderen Unternehmen seine Dienste als Berater angeboten hat.
Wer ist er?
In der Causa Weißmann ist Strobl weniger Nebenfigur als Symbolfigur für jene informellen Machtstrukturen, die den ORF seit Jahren prägen. Der langjährige Vertraute des früheren Generaldirektors Alexander Wrabetz galt im Haus als Mann fürs Grobe, als einer, dessen Einfluss größer war, als es ein Organigramm je abbilden könnte. Strobl musste den ORF 2010 verlassen, kehrte später aber über Beratungsaufträge und schließlich wieder als Angestellter zurück – mit beträchtlichem Einfluss, hohem Gehalt und einer freiwilligen Zusatzpension, deren Rechtmäßigkeit Roland Weißmann als Generaldirektor infrage stellte. Damit hatte Strobl, vorsichtig formuliert, ein handfestes Motiv, Weißmann nicht wohlgesonnen zu sein.
In der Weißmann-Affäre taucht Strobl deshalb an einer besonders heiklen Stelle auf: Die ORF-Mitarbeiterin, die Weißmann sexuelle Belästigung vorwirft, arbeitet in Strobls Bereich; Weißmanns Seite vermutet, Strobl habe im Hintergrund eine Rolle gespielt. Strobl weist das zurück und spricht allenfalls von Unterstützung, wenn jemand Hilfe brauche. Bewiesen ist eine Intrige damit nicht. Aber liegt nicht ganz fern.