ROSSATZ-ARNSDORF - ÖSTERREICH: Ausschussmitglieder am Mittwoch, 14. Jänner 2026, anl. eines Lokalaugenscheins am Fundort der Leiche des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek an einem Nebenarm der Donau in Rossatz-Arnsdorf. - FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER
ROSSATZ-ARNSDORF - ÖSTERREICH: Ausschussmitglieder am Mittwoch, 14. Jänner 2026, anl. eines Lokalaugenscheins am Fundort der Leiche des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek an einem Nebenarm der Donau in Rossatz-Arnsdorf. - FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER
Grüner Janker, Jagdhut, Gummistiefel: Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) ist gut gerüstet. Der 63-Jährige weiß, dass er als Vorsitzender des Pilnacek-U-Ausschusses stundenlang entlang eines Donau-Seitenarmes durch Schnee, Nebel und Kälte stapfen muss.
ROSSATZ-ARNSDORF - ÖSTERREICH: Ausschussmitglieder am Mittwoch, 14. Jänner 2026, anl. eines Lokalaugenscheins am Fundort der Leiche des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek an einem Nebenarm der Donau in Rossatz-Arnsdorf. - FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER
ROSSATZ-ARNSDORF - ÖSTERREICH: Ausschussmitglieder am Mittwoch, 14. Jänner 2026, anl. eines Lokalaugenscheins am Fundort der Leiche des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek an einem Nebenarm der Donau in Rossatz-Arnsdorf. - FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER
Es ist eine Premiere, nicht nur für Rosenkranz: Zum ersten Mal findet ein U-Ausschuss nicht in den Räumlichkeiten des Parlaments statt. Stattdessen machen die Abgeordneten einen Lokalaugenschein am Fundort der Leiche von Christian Pilnacek. Der einstige Justiz-Sektionschef ist in der Nacht vom 19. auf 20. Oktober 2023 in dem Donau-Seitenarm in Rossatz, Niederösterreich, ertrunken.
Zweieinhalb Jahre später soll der Pilnacek-U-Ausschuss mögliche Einflussnahmen auf die Ermittlungen um den Todesfall klären. An den ersten beiden Tagen spielten viele Abgeordnete aber lieber SOKO Donau.
CSI Rossatz
Der U-Ausschuss sei „keine Ersatz-CSI“, hielt Rosenkranz noch am Mittwoch in Rossatz fest. Auch Abgeordnete wie Neos-Fraktionschefin Sophie Wotschke wollten im Vorfeld verhindern, dass der Ausschuss „zu einer Art Mordermittlung wird“. Die Abgeordneten sollten nur mögliche politische Einflussnahmen klären. Stattdessen machte sich der U-Ausschuss erst ein Bild des Fundortes und dann, am Donnerstag, des Leichnams.
Ein Lokalaugenschein kann helfen, wenn man sich in den kommenden Monaten mit den dortigen Vorgängen beschäftigt.
Am Donnerstag hatte die FPÖ allerdings einen Baggerfahrer und einen Feuerwehrmann als Auskunftspersonen nach Wien geladen, die beide nicht Teil der Ermittlungen waren. In ihren stundenlangen Befragungen ging es vor allem um den Zustand der Leiche, die Bergungsarbeiten und wer wann am Fundort war. Erst am späten Nachmittag wurde ein Tatort-Beamter als erster zuständiger Ermittler befragt. Er musste seine Untersuchung des nackten Leichnams detailreich schildern.
„Man sieht in den ganzen Krimis, dass der, der was findet, gleich vernommen wird.“
Baggerfahrer
hat Christian Pilnaceks Leichnam gefunden
Der Baggerfahrer zeigt sich „überrascht“, dass er von Polizei oder Staatsanwaltschaft nie förmlich einvernommen worden sei: „Man sieht in den ganzen Krimis, dass der, der was findet, gleich vernommen wird.“ Ein paar Monate nach der Todesnacht sei er kurz in die Polizeiinspektion Mautern geladen worden, um Fundort und Bergungsweg der Leiche nachzuzeichnen. Das habe aber nicht länger als fünf bis zehn Minuten gedauert.
Sturzspuren gesucht
Vor dem U-Ausschuss holt der Baggerfahrer die Einvernahme ausführlich nach. Er beschreibt Pilnaceks Leiche als „weiß wie ein Blattl Papier“. Der Kopf des einstigen Justiz-Sektionschefs sei nicht blau gewesen, augenscheinliche Verletzungen habe er am bekleideten Leichnam nicht gesehen.
Der Feuerwehrmann, der die Leiche geborgen hat, ergänzt: An einer Augenbraue habe er eine etwa fingernagelgroße Wunde gesehen: „Das hat aber nicht nach einer massiven Verletzung ausgesehen.“ Der Tatort-Beamte ergänzt später jene Blutergüsse, die er am nackten Körper entdeckt hatte. Auch er geht davon aus, dass keine der Verletzungen lebensgefährlich war.
Der Baggerfahrer spekuliert vor den Abgeordneten auch über die Todesursache. Dass Pilnacek ermordet wurde, könne er sich nicht vorstellen. Für ihn sei aber nicht klar, wie bereits um 9.28 Uhr von einem Suizid gesprochen werden konnte. Persönlich glaube er, „dass es ein Unfall war, weil man kann da schon herunterstürzen“.
Die zwei Meter hohe Böschung an Pilnaceks mutmaßlicher Einstiegsstelle scheint dafür steil genug, davon konnten sich die Abgeordneten selbst überzeugen. Wegen des Schnees war der Trampelpfad denkbar rutschig. Ausrutscher vor laufenden Kameras blieben den Abgeordneten dennoch erspart.
Sollte Pilnacek im Oktober 2023 die Böschung hinabgestürzt sein, wäre er aber nicht direkt ins Wasser gefallen, hält der Baggerfahrer fest: Dafür war der Pegelstand der Donau damals zu niedrig. Stattdessen wäre der einstige Sektionschef auf einer trockenen Stelle am Ufer gelandet. Das machte FPÖ-Fraktionschef Hafenecker hellhörig: „Wir haben keine Spur festgestellt von einem Sturz an dem Punkt.“ Parlamentarier als Fährtenleser? Der Tatort-Beamte erklärt später, dass er wegen der mangelnden Sturzspuren einen Suizid für am wahrscheinlichsten hält.
Fragen statt Antworten
Es sind Details, die die Abgeordneten des Pilnacek-U-Ausschusses am ersten Befragungstag besonders interessieren. Wo genau stand der Bagger? Und wieso vermeldete die „Kleine Zeitung“ offenbar Pilnaceks Tod vor dem Eintreffen der ersten Polizeistreife, wollte Verfahrensrichterin Christa Edwards von allen drei Auskunftspersonen wissen, bevor es ihr von den Abgeordneten erklärt wurde: Die erste Polizeistreife kam am 20. Oktober 2023 um 8.19 Uhr am Fundort der Leiche an. profil vermeldete Pilnaceks Tod als erstes Medium um 10.10 Uhr. Die „Kleine Zeitung“ zitierte profil um 10.18 Uhr. Aufgrund einer falsch eingestellten Zeitzone wurde der Zeitstempel am Artikel der „Kleinen Zeitung“ aber verfälscht und zeigt daher fälschlicherweise an, dass der Artikel um 8.18 Uhr erschienen sei.
Es ist nicht die einzige Frage, die der U-Ausschuss stellt, obwohl die Antwort bekannt ist: Hafenecker wollte etwa vom Baggerfahrer wissen, ob der Leichnam von einem Ufer zum anderen getrieben worden sein könnte. Ja, sagte der Baggerfahrer.
Der FPÖ-Fraktionschef hätte sich diese Frage bei dem von den Freiheitlichen angeregten Lokalaugenschein in Rossatz selbst beantworten können: Direkt vor der mutmaßlichen Einstiegsstelle hat die Wasserstraßengesellschaft „viadonau“ ein Infoschild aufgestellt. Immerhin hat sie den Seitenarm als Hochwasser- und Naturschutz künstlich angelegt. In der „Auenwildnis Wachau“ finden Seeadler und Amphibien wie Gelbbauchunke oder Donau-Kammmolch Schutz. Auf dem Infoschild sind besondere Strömungen eingezeichnet, die im Zickzack von einem Ufer zum anderen führen. Aufgeschüttete Steinhaufen verursachen zudem Wirbel im Strom, dank denen große Fische im künstlichen Gewässer überwintern können.
Pilnaceks Leichnam dürfte in einen dieser Wirbel getrieben sein, erzählte der Baggerfahrer, der den toten Körper als Erstes gefunden hatte: „Aus dem Augenwinkel habe ich etwas treiben gesehen. Als sich das auf die Seite gedreht hat, war mir klar, dass es eine Person ist. Da ist ein Strömungswirbel, da dreht sich die Leiche im Kreis.“
Kaum Fragen hatten die Abgeordneten zu möglichen politischen Einflussnahmen auf die Ermittlungen. Womöglich folgt das in den nächsten Monaten in der von der FPÖ verlangten Untersuchung. Der Tatort-Beamte streitet Einflussnahmen ab.
Hilfe für Menschen mit Suizidgedanken
Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums.
Rat auf Draht ist die österreichische Notrufnummer für Kinder und Jugendliche. Die Nummer ist unter 147 rund um die Uhr anonym und kostenlos erreichbar.
Die Ö3-Kummernummer ist unter 116 123 täglich von 16 bis 24 Uhr und ebenfalls anonym erreichbar.
Die Telefonseelsorge ist unter der kostenlosen Telefonnummer 142 rund um die Uhr als vertraulicher Notrufdienst jeden Tag des Jahres erreichbar.
Auf der Website www.bittelebe.at finden Angehörige/Freunde von Menschen mit Suizidgedanken Hilfe.
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(profil.at)
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Stand:
Max Miller
ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und mag Grafiken. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.
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