Im Hintergrund ist ein Screenshot aus einem Video zu sehen, im Vordergrund Portraits von Maximilian Weinzierl und Sebastian Schwaighofer
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Gigi, Identitäre und Schießen: So radikal ist die FPÖ-Jugend

In der Freiheitlichen Jugend wächst die nächste Generation an FPÖ-Politikern heran. Sie sind identitär, teils gewaltaffin und befürworten Massenabschiebungen von Eingebürgerten – nun wird gegen mehrere Mitglieder ermittelt.

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Die freiheitlichen Jungfunktionäre träumen von nichts weniger als einer „Revolution“. Einem Umsturz. Alle großen Revolutionen der Geschichte hätten nichts anderes getan, „als eine Entwicklung in die Tat umzusetzen, die sich zuvor schon unterschwellig in den Geistern vollzogen hatte“, schreibt einer der blauen Nachwuchskader auf der Website der freiheitlichen Parteiakademie.

Bei Umfragewerten von aktuell 36 Prozent für die FPÖ sollte man das nicht als Hirngespinst abtun. Es ist wahrscheinlich, dass einige der Jungfreiheitlichen bald in wichtige Ämter rutschen, einige rechte Recken bevölkern bereits jetzt das Parlament.

Die jungen Männer und Frauen, die bald die FPÖ anführen könnten, sind rechts, teils gewaltaffin und lehnen die liberale Gesellschaft aus tiefster Überzeugung ab.

Wen das Zitat des Jungfunktionärs an den italienischen Marxisten Antonio Gramsci und seinen Kampf um gesellschaftliche Hegemonie erinnert, liegt richtig: Neurechte Vordenker haben bei Gramsci abgeschrieben. Anders als der Kommunist wollen sie rechtsextremes Gedankengut mehrheitsfähig machen und führen einen Kulturkampf.

Dafür bedienen sich die jungen Blauen offenbar bei einem zweiten Italiener: dem Musiker Gigi D’Agostino. „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“, brüllten mehrere Gestalten in einem Lokal in Gosau (Oberösterreich) zur Melodie von D’Agostinos „L’amour toujours“.

Was die Gröler damals, im November 2025, nicht wussten: Sie wurden heimlich von anderen Gästen des Lokals gefilmt. Die Videos landeten bei der Staatsanwaltschaft Wels und beim Landesamt für Verfassungsschutz. Drei der Personen wurden inzwischen identifiziert. Es war kein besonders kniffliger Fall für die Ermittler: Wegen eines Seminars hatten sich Dutzende Jungfreiheitliche in Gosau zusammengefunden, unmittelbar vor den Szenen im Lokal zogen sie in einem Fackelzug durch den Ort. Ermittlungsergebnis: Die Beschuldigten sind allesamt Mitglieder der Freiheitlichen Jugend.

Die rassistische Parole ist zwar keine Erfindung der Freiheitlichen Jugend, doch die Aneignung durch den blauen Nachwuchs war nur eine Frage der Zeit. Die rechtsextreme Coverversion von D’Agostino erlangte vor eineinhalb Jahren Berühmtheit, nachdem ein Video von der deutschen Insel Sylt viral gegangen war.

„Nach Sylt [wurde] die Melodie von der organisierten extremen Rechten und den ihr nahestehenden Medien auf breiter Basis aufgegriffen, um den Trend zu verstärken“, steht dazu im aktuellen Rechtsextremismusbericht für das Jahr 2024, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Der langjährige Chef der Identitären Bewegung Österreich (IBÖ) Martin Sellner rief den FPÖ-Nachwuchs dazu auf, den Song mittels Flashmobs weiter zu promoten, das rechtsextreme Medium „Heimatkurier“ verharmloste die Parole gar als „humorige Textzeile“.

Bemerkenswert: Hinter dem „Heimatkurier“, der wegen einer erfolgreichen Klage einer linken Politikwissenschafterin inzwischen eingestellt werden musste, stand mit Fabian Rusnjak ein langjähriger Kader der Identitären Bewegung. Und hier schließt sich der Kreis zur blauen Parteijugend: 

Natalia Anders

Natalia Anders

ist seit Juni 2023 Teil des Online-Ressorts und für Social Media zuständig.

Jakob Winter

Jakob Winter

ist Digitalchef und seit 2025 Mitglied der Chefredaktion bei profil. Gründete und leitet den Faktencheck faktiv.