Der Einsatzleiter am Peršmanhof war der stellvertretende Leiter des Kärntner Verfassungsschutzes
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Peršmanhof-Einsatz: Neue Fragen zu Verantwortlichen und Hintergründen

Der Polizeieinsatz gegen ein antifaschistisches Camp in der NS-Gedenkstätte Peršmanhof war rechtswidrig und unverhältnismäßig, urteilt eine Kommission des Innenministeriums. Doch viele Fragen bleiben offen. Eine Reportage aus einem gespaltenen Land.

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Als das Desaster seinen Lauf nimmt, fährt Bernard Sadovnik gerade nichts ahnend mit dem Auto durch seine Gemeinde. Der Bürgermeister von Globasnitz, slowenisch Globasnica, im Bezirk Völkermarkt am südlichsten Zipfel Kärntens spricht am Sonntag, dem 27. Juli, mit Menschen in seinem Wahlkreis, auf sein Handy schaut er nicht. Als er es wieder zur Hand nimmt, sieht er unzählige Nachrichten und verpasste Anrufe. Allesamt von Bekannten aus der Gemeinschaft der Kärntner Slowenen.

Was er in den nächsten Minuten erfährt, macht Sadovnik fassungslos. Auf dem Peršmanhof, Gedenkort des kärntner-slowenischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, findet ein groß angelegter Polizeieinsatz mit Hubschrauber und Hundestaffel statt. Er richtet sich gegen das antifaschistische Bildungscamp des Klubs Slowenischer Studierender in Wien (KSŠŠD). Rund 60 Menschen sind zum Peršmanhof gekommen, um mehr über dessen Geschichte zu erfahren. 
Es liegt vor allem an dieser Geschichte, dass die Wogen nach dem Polizeieinsatz hochgehen.

Auf dem abgelegenen Peršmanhof auf rund 1200 Höhenmetern fand in den letzten Kriegstagen 1945 ein Massaker an Zivilisten statt. Am 25. April ermordeten Angehörige des SS-Polizeiregiments 13 hier elf Mitglieder der slowenischsprachigen Minderheit, darunter sieben Kinder, das jüngste war acht Monate alt. Die Angehörigen der Bergbauernfamilien Sadovnik und Kogoj wurden getötet, weil sie die Partisanen im Kampf gegen die Nazis unterstützt hatten. Bernard Sadovniks Vater Franz war zum Zeitpunkt des Massakers nicht am Hof, ein Cousin und zwei Cousinen überlebten schwer verletzt. Die anderen Verwandten wurden erschossen, der Hof niedergebrannt.

„Mein Vater war der Einzige seiner Generation, der überlebt hat“, sagt Sadovnik, der sich dem Ort bis heute tief verbunden fühlt. Als er am 27. Juli am Peršmanhof ankommt, ist der Polizeieinsatz schon vorbei. Vor dem Haus stehen junge Menschen, viele weinen, einige zittern. Unter den Campteilnehmern sind Nachkommen von Kärntner Slowenen, deren Eltern und Großeltern verfolgt wurden. Auch bei Sadovnik weckt der Polizeieinsatz traumatische Erinnerungen. Am Peršmanhof fühlt er sich zu Hause, es ist der wichtigste Erinnerungsort für die slowenische Volksgruppe in Kärnten. „Die ersten Nächte konnte ich kaum schlafen, und wenn doch, dann hatte ich Alpträume“, sagt Sadovnik. „Wie kann man den Familien der Überlebenden und den jungen Menschen so etwas antun?“

Daniela Breščaković

Daniela Breščaković

ist seit April 2024 Innenpolitik-Redakteurin bei profil. War davor bei der „Kleinen Zeitung“.

Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.