EUROVISION SONG CONTEST (ESC) 2026: ORF "MEDIENUPDATE ZUM EUROVISION SONG CONTEST"
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Der Eurovision Song Contest startet unter widrigen Umständen. Der Streit um die Teilnahme Israels ist noch lange nicht ausgestanden, der ORF mit sich selbst beschäftigt, die touristischen Hoffnungen leicht enttäuscht. Nachrichten zu einer gigantischen Show, die noch wachsen muss.

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Vorbereitung ist die halbe Miete. Wer eine der neun Final-Shows des Eurovision Song Contest 2026 in der Wiener Stadthalle besuchen möchte, ist gut beraten, seine sieben Sachen kompakt bei der Hand zu haben. Das Sicherheitskonzept sieht nämlich eine „No Bag Policy“ vor, Taschen aller Art sind von der Teilnahme ausgeschlossen, inklusive Bauchtaschen, und auch die Liste der dezidiert erlaubten Gegenstände ist knapp. Darauf stehen Schlüssel, Handys, Geldbörsen, dringend notwendige Medikamente (mit ärztlicher Bestätigung) – und Fahnen. Zu Letzteren gibt es sogar nähere Auskünfte: „Bei den Shows sind sämtliche Länderflaggen sowie die EU-, die Regenbogen- und die Progress-Pride-Flagge gestattet. Sie müssen nach den geltenden Brandschutznormen (ÖNORM B 3822:2010-06-15 bzw. DIN EN 13501-1) zertifiziert sein. Vor den Shows gibt es die Möglichkeit, nach der Ticketkontrolle lokal gefertigte Flaggen der teilnehmenden Länder sowie Regenbogen- und Progress-Pride-Flaggen zu kaufen.“ Auch Palästina- und Israelflaggen sind selbstverständlich von dieser Spezifikation betroffen, schließlich handelt es sich um ganz zentrale, um nicht zu sagen ursächliche Requisiten dieses ganzen Theaters.

Nicht einmal dem Hausherren, also dem Wiener Bürgermeister, bleibt die strenge ESC-Security-Prozedur erspart, Vorschrift ist immer noch Vorschrift, sprich: persönliche Registrierung, Sicherheitsschleuse, Identitätsfeststellung. Michael Ludwig, 65, Bürgermeister, ESC-Fan (von Amts wegen).

Falls das alles gut geht, wovon auszugehen ist, kommt Ludwig in den Genuss einer gigantischen Bühne, die insgesamt 210 Tonnen wiegt, fast 2000 Quadratmeter groß ist, alle technischen Stücke spielt und angeblich von der Wiener Secession inspiriert wurde, es könnte aber auch ein Formel-1-Grand-Prix in Abu Dhabi gewesen sein.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen ließ sich dieses Wunderwerk der Eventtechnik schon beim VIP-Preview Ende April vorführen und erklärte bei der Gelegenheit: „Der Song Contest zeigt, wie bunt unser Kontinent ist. Er zeigt, was wir können und wer wir sind, und das ist viel.“

Das ist aber auch noch nicht alles.

Am Sonntag beginnt mit der „Opening Ceremony“ und dem „Turquoise Carpet Event“ samt Einmarsch der 35 nationalen Delegationen am Wiener Rathausplatz die Eventserie zum 70. Eurovision Song Contest in Wien und damit die wohl größte Entertainment-Shows des Jahres, je nach Maßzahl sogar bigger als das Champions-League-Finale Ende Mai – auf jeden Fall aber umstrittener.

Das ESC-Finale am Samstag werden im Fernsehen wohl mehr als 160 Millionen Menschen sehen (im Vorjahr waren es 166 Millionen, das in den Quoten erfolgreichste ESC-Finale bis dato fand im Jahr 2016 mit 204 Millionen Zusehern und Zuseherinnen statt). Mehr als 10.000 Menschen (sowie Hunderte Journalisten, freiwillige Helfer und ein Maskottchen aus der Hölle, nämlich der knallbunte Hudriwudri-Bär „Auri“) werden in der Stadthalle klatschen und brüllen und zu Tränen gerührt sein, nicht alle aus denselben Gründen vermutlich, denn beim Song Contest liegen Hit and Miss traditionell sehr nah beieinander.

Der Song Contest emotionalisiert, aber leider nicht immer in die gewünschte Richtung. Ausgerechnet das bunteste Event des Jahres wird heuer von einer Schwarz-Weiß-Debatte überschattet.

Ein Banner bei den Protesten gegen den ESC in Basel 2025.
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Der Krieg in Gaza hat sich zwar zu einer Art Waffenstillstand verfestigt, die Kritik an Israels Vorgehen gegen die palästinensische Bevölkerung reißt deswegen nicht ab. Sehr öffentlich – und sehr deutlich – werden deshalb Fragen aufgeworfen: Soll Israel an dem Gesangswettbewerb teilnehmen, als wäre nichts? Warum wurde Russland nach dem Überfall auf die Ukraine von der European Broadcasting Union (EBU) suspendiert, Israel aber trotz seiner wohl ebenfalls völkerrechtswidrigen Angriffe weiterhin eingeladen? Und überhaupt, ganz grundsätzlich: Wie politisch ist der Song Contest?

Fünf Nationen haben ihre Teilnahme am ESC 2026 schon vor Monaten abgesagt: Niederlande, Slowenien, Spanien, Island und Irland schicken aus Protest gegen die Teilnahme Israels keine Künstler nach Wien. Der Schweizer ESC-Gewinner Nemo hat seine Trophäe im Vorjahr aus demselben Grund zurückgegeben, der österreichische Sieger JJ unmittelbar nach seinem Triumph 2025 mit einschlägigen Debattenbeiträgen für Aufsehen gesorgt (seither gibt er sich zu dem Thema betont wortkarg).

Angelika Hager

Angelika Hager

leitet das Gesellschafts-Ressort

Sebastian Hofer

Sebastian Hofer

schreibt seit 2002 im profil über Gesellschaft und Popkultur. Ist seit 2020 Textchef und seit 2025 stellvertretender Chefredakteur dieses Magazins.

Clemens Neuhold

Clemens Neuhold

ist seit 2015 Allrounder in der profil-Innenpolitik. Davor „Wiener Zeitung“, Migrantenmagazin biber, Kurier-Wirtschaft. Leidenschaftliches Interesse am Einwanderungsland Österreich.

Maria Prchal

Maria Prchal

ist seit 2025 Redakteurin im Digitalteam. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Sozialpolitik, Klima und technische Themen.

Franziska Schwarz

Franziska Schwarz

ist seit Dezember 2024 im Digitalteam. Davor arbeitete sie als Redakteurin bei PULS 24, und als freie Gestalterin bei Ö1. Sie schreibt über Politik, Wirtschaft und Umwelt.