Cynthia Dwork sitzt auf einem schwarzen Klappsessel im Hörsaal des ISTA in Klosterneuburg
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Cynthia Dwork, die wichtigste Informatikerin der Welt, über KI, Trump und Bitcoins

Cynthia Dworks Verschlüsselungen stecken in jedem iPhone, jedem E-Mail und in der Künstlichen Intelligenz. Wird uns die KI über den Kopf wachsen?

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Ohne Sie wäre das Internet weniger sicher und vor allem: weniger privat. Können Sie mir ein Beispiel nennen?

Dwork

Ich sehe, Sie haben ein iPhone. Meine Technologie steckt darin. Apple verwendet sie zum Beispiel, um die Beliebtheit von Emojis zu verstehen. Apple zählt mit, welche davon in welchen Regionen verwendet werden, und schlägt dann den Menschen auf unterschiedlichen Kontinenten unterschiedliche Emojis vor.

Aber dann weiß Apple ja sehr genau, welche Emojis ich gerne verwende, oder nicht?

Dwork

Nicht ganz. Apple sammelt die Daten nicht direkt von Ihnen. Der Konzern nutzt meine Technologie, um Ihre Daten in ein kleines Privatsphäre-Kuvert zu verpacken und sie dann erst zu speichern. Apple sammelt also eine anonymisierte Version Ihrer Statistik.

Was hat Apple davon, meine Daten zu anonymisieren? Grundsätzlich wollen die großen Tech-Konzerne ja möglichst akkurate Daten, etwa um mir personalisierte Werbung zu liefern.

Dwork

Ihre Skepsis ist da durchaus angebracht, das ist in allen großen Tech-Firmen ein schwieriger Balanceakt. Die Frage ist immer: Hält ein Unternehmen es für eine wirtschaftlich gute Idee, die Privatsphäre seiner User zu schützen oder nicht? Apple ist hier ein gutes Beispiel. Der Konzern hat beschlossen, dass das eine gute Idee ist. Andere Unternehmen haben andere Geschäftsmodelle.

Gibt es Unternehmen, von denen man die Finger lassen sollte?

Dwork

Dazu kann ich mich nicht äußern.

Ihnen ist es zu verdanken, dass viele Menschen heute weniger mit Spam- E-Mails zugemüllt werden als früher. Wie das?

Dwork

Mit meinem Kollegen Moni Naor entwickelte ich 1992 die Methode des „Proof of Work“. Die Idee war: Wenn ich eine Person nicht kenne, sie mir aber ein E-Mail schicken will, muss sie eine gewisse Rechenaufgabe lösen, um das E-Mail zu versenden. Das E-Mail sollte also einen gewissen Energieaufwand haben – damit kann ich verhindern, dass mir jemand Tausende Mails auf einmal schickt. Sobald ich einen Absender als sicher identifiziere, fällt diese Schranke. Ich glaube, Google war das erste Unternehmen, das die Technologie einführte. Als ich 2001 von IBM zu Microsoft wechselte, führten wir auch dort den Spamfilter ein.

Cynthia Dwork im Vorlesungssaal vor einer Leinwand mit einer ihrer Diagramme
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Die Kryptowährung Bitcoin hat Ihre Methode gekapert. Wie kann man sich das vorstellen?

Franziska Dzugan

Franziska Dzugan

schreibt für das Wissenschaftsressort, ihre Schwerpunkte sind Klima, Medizin, Biodiversität, Bodenversiegelung und Crime.

Wolfgang Paterno

Wolfgang Paterno

ist seit 2005 profil-Redakteur.