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Die Blazer-Strategie: Warum Frauen die besseren Chefs sind

Frauen in den Chefetagen brauchen möglichst viel Testosteron: Diese Idee hält sich hartnäckig. Was ist da dran? Und warum sind Frauen tatsächlich die besseren Chefs?

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Die Studie ist an Frauenfeindlichkeit kaum zu überbieten. Dabei ist sie erst gut zehn Jahre alt und stammt nicht, wie man vermuten könnte, aus den Untiefen des vorigen Jahrtausends. Die Psychologin Sari van Anders und ihr Team von der University of Michigan baten 108 Schauspielstudierende und fertig ausgebildete Schauspielende ins Labor und teilten sie in drei Gruppen ein (nachzulesen hier). Sie sollten jemanden feuern – und zwar auf ganz spezielle Arten. Eine Gruppe sollte den Monolog für die Entlassung auf „stereotyp maskuline Weise vortragen (etwa Raum einnehmen, Dominanz zeigen, selten lächeln)“, die zweite Gruppe „in einer stereotyp femininen Weise (zum Beispiel Sätze fragend beenden, Zögerlichkeit, wenig Augenkontakt)“. Eine dritte Gruppe sah sich in der Zwischenzeit eine Reisedoku auf Video an. Danach maß das Forschungsteam die Testosteronwerte im Speichel der 68 jungen Männer und 43 jungen Frauen. Ein paar Tage später wurde der Versuch mit vertauschten Rollen wiederholt.

Die Forschung hat sich von der Idee, eine Frau müsse möglichst „männlich“ agieren, um eine gute Chefin zu sein, längst verabschiedet.

Das Fazit: Die Testosteronwerte der Frauen hatten sich offenbar nach beiden Kündigungsszenarien signifikant erhöht; bei den Männern waren die Hormonwerte hingegen kaum gestiegen. Was das Experiment mit ein paar Schauspielerinnen und Schauspielern für die reale Welt bedeuten sollte, blieb Autorin Sari van Anders schuldig. Trotzdem gingen ihre Ergebnisse um die Welt – und werden bis heute in Diskussionen immer wieder hervorgezogen.

Widerlegte Testosteron-Theorie

Dabei hat sich die Forschung von der Idee, eine Frau müsse möglichst „männlich“ agieren, um eine gute Chefin zu sein, längst verabschiedet. Zudem widerlegte eine Untersuchung mit Daten aus der realen Welt jene aus Sari van Anders Labor bereits 2016, genau ein Jahr nach deren Veröffentlichung. Ein Team um den Psychologen Leander van der Meij von der Uni Amsterdam hatte sich in einer Metaanalyse neun Studien mit insgesamt 1103 Frauen und Männern angesehen, die in Unternehmen, Sportteams und Studierendengruppen Führungspositionen innehatten und bereit waren, ihren Hormonstatus per Speicheltest ermitteln zu lassen. „Wir zeigen, dass die Testosteronspiegel weder bei Männern noch bei Frauen mit Führungspositionen assoziiert waren“, hieß es in der niederländischen Studie. Das Hormon Testosteron sei „weder mit dem Innehaben einer Führungsposition in der Unternehmenswelt assoziiert, noch in Verbindung mit den Führungsstilen von Führungskräften“ (nachzulesen hier).

Was aber hat die Forschung über Führungskräfte und Personalmanagement aktuell zu bieten? Wie können es Frauen trotz gläserner Decken und Schwangerschaften an die Spitze schaffen? Was machen sie anders als männliche Vorgesetzte? Und sind sie vielleicht sogar die besseren Chefs?

Franziska Dzugan

Franziska Dzugan

schreibt für das Wissenschaftsressort, ihre Schwerpunkte sind Klima, Medizin, Biodiversität, Bodenversiegelung und Crime.