Atmen durch den Hals
Wird das Organ entfernt, muss der Patient durch ein Loch im Hals atmen, das Tracheostoma. Beim Sprechen muss aber die Luft aus der Lunge in den Mund gelangen – das geht nun nicht mehr. Dafür sorgt fortan die Stimmprothese: Sie liegt als Ventil zwischen Luft- und Speiseröhre, damit keine Speisen in die Luftröhre gelangen. Will der Patient sprechen, muss er das Tracheostoma mit dem Finger zuhalten, damit die Luft durch das Ventil nach oben in die Speiseröhre umgeleitet wird.
Die in der Speiseröhre schwingenden Schleimhautfalten erzeugen dabei einen Ton – dies ist fortan die neue Stimme (siehe Grafik). Sie kann im Mund zu Worten geformt werden, was über mehrere Wochen hinweg geübt werden muss. Mittlerweile gibt es auch Sprechventile, welche die Luft automatisch umleiten, wodurch das Verschließen mit dem Finger wegfällt.
Wird Doskozil als Politiker künftig große Reden schwingen können?
Eine Ferndiagnose sei schwierig, sagt Arnoldner, aber: „Das Reden könnte durchaus besser funktionieren als bei seinen letzten Auftritten, als die Stimme schon sehr schwach war.“ Das Sprechen kann neu gelernt werden, andere Funktionen sind nach dem Verlust des Kehlkopfes nicht mehr möglich: Schnäuzen zum Beispiel. Das funktioniert nur mithilfe der Stimmbänder, die durch Anspannung die Luft in die Nase drücken. Auch das Riechen funktioniert ohne Kehlkopf nur eingeschränkt. Eine „künstliche Nase“ am Stoma, medizinisch HME-Filter genannt, wärmt, befeuchtet und filtert zwar die Luft, bevor sie durch den Hals einströmt – riechen kann sie nicht.
Infektionsquelle Wasser
Wasser ist eine potenzielle Gefahr für Menschen mit einem Tracheostoma. Schon wenige Milliliter, die ins Stoma gelangen, können direkt in die Lunge laufen – was Atemnot oder Lungenentzündungen auslösen kann. Beim Duschen müssen die Betroffenen ein Pflaster tragen, Schwimmen ist nur mit speziellen, absolut dichten Verschlüssen möglich.
Wann wird Doskozil wieder fit sein? Zwei bis drei Monate dauert es im Schnitt, bis Patientinnen und Patienten nach so einem Eingriff wieder arbeitsfähig sind, sagt Christoph Arnoldner von der MedUni Wien. Die Stimmprothese ist seit Jahrzehnten der Goldstandard im Falle einer Kehlkopfentfernung und hat die elektronische Sprechhilfe samt roboterhaft klingender Stimme abgelöst. Am AKH wird sie Patienten mehrmals pro Woche eingesetzt. Alle drei bis sechs Monate wird Doskozil die Stimmprothese wechseln müssen, was aber ambulant möglich ist. „Wenn jetzt alles gut verheilt, blickt Doskozil in eine Zukunft ohne weitere Operationen“, sagt Arnoldner.