Ein Mann vor einem Mikrofon im russischen Staatsfernsehen
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Kreml-Scharfmacher Solowjow: „Wir werden Wien befreien“

Russland werde Europas Hauptstädte stürmen und erobern, kündigt Putins Einpeitscher Wladimir Solowjow an. Österreich müsse sich „besinnen“.

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Russland werde Paris und Berlin stürmen, man solle sich da bitte keine Illusionen machen: In vergleichsweise ruhigem Ton legt Kreml-Scharfmacher Wladimir Solowjow gestern, Dienstag, im russischen Staatsfernsehen dar, wie sich der Ukraine-Krieg seiner Ansicht nach entwickeln wird. 

Wieder einmal werden wir Wien befreien müssen – es sei denn, die Österreicher kommen vielleicht doch noch zur Besinnung.

Wladimir Solowjow

Und wieder einmal werden wir Berlin zerstören und in diese von Gott verfluchte Stadt einmarschieren müssen. Wieder einmal werden wir in Paris einmarschieren müssen. Wieder einmal werden wir Wien befreien müssen – es sei denn, die Österreicher kommen vielleicht doch noch zur Besinnung.“ 

Was genau er damit meint, verrät Solowjow nicht. Doch wenn Solowjow besonders scharf wettert, so wie hier, dann ist davon auszugehen, dass Putin das ähnlich sieht. 

„Müssen den Feind auf seinem Territorium schlagen“

Im Laufe seiner Karriere hat Wladimir Solowjow schon oft gepoltert. Er hat westliche Politiker wüst beschimpft und Ländern wie Deutschland mit Krieg gedroht. Der Kreml verfügt über viele Scharfmacher, die im Staatsfernsehen gegen den Westen und seine Verbündeten wettern und russische Propaganda verbreiten. Doch Solowjow ist bei weitem der lauteste. 

Nicht selten rastet der 62-Jährige im Staats-TV oder auf einem seiner eigenen Kanäle komplett aus. Dann brüllt und zetert er eine gefühlte Ewigkeit lang, denn Solowjow darf im russischen Staatsfernsehen so lange sprechen wie kaum ein anderer. Allein seine TV-Show „Sonntagabend mit Wladimir Solowjow“ (seit 2012) dauert mehr als zwei Stunden. Im Jahr 2019 schaffte er es mit einer wöchentlichen Sendezeit von 25 Stunden, 53 Minuten und 57 Sekunden sogar ins Guinnessbuch der Rekorde. 

Die EU hat Solowjow am 23. Februar 2022 auf die Sanktionsliste gesetzt, seine beiden Villen in Italien wurden beschlagnahmt. Seit Beginn des Ukrainekriegs hetzt er vor allem gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, seine Tiraden sind selbst für Moskauer Verhältnisse extrem. Die Aufgabe Russlands in der Ukraine sei es, so Solowjow, weiterhin „die Energie-, Hafen-, Transport- und sonstige Infrastruktur zu zerstören“, denn: „Wir haben es mit Feinden und Abschaum zu tun.“

Damit meine er nicht nur die „Nazis“ in der Ukraine, sondern auch „ihre europäischen Herren“: „Deshalb müssen wir den Feind auf seinem Territorium schlagen.“ Man dürfe sich nicht zurückhalten, sondern: „Vernichten. Vernichten.“

Wunschtraum US-russischer Krieg gegen Europa

Auch für die Amerikaner hat Moskaus Scharfmacher eine Botschaft – und streckt gewissermaßen die Hand Richtung Washington aus. Es würde ihn nicht wundern, so Solowjow, „wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt gemeinsame russisch-amerikanische Kampfeinheiten deutsche, belgische, französische und englische Städte stürmen würden.“ Immerhin sehe man im Leben so einiges, und es sei durchaus denkbar, dass man gemeinsam mit den USA „die Nationalstaaten von der Unterdrückung in Ursulas Namen“ (gemeint ist EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen) befreit. 

Der Krieg, so Solowjow, werde lange dauern – „obwohl nun dank der Bemühungen Trumps unsere gerechten Forderungen erfüllt werden“. 

Siobhán Geets

Siobhán Geets

ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.