US-Angriff auf Venezuela: Was kommt nach Maduro?
Jetzt, wenige Stunden nach der US-Militärintervention in Venezuela, hat das Staunen noch die Oberhand gegenüber gesicherten Erkenntnissen. US-Spezialeinheiten hatten, unterstützt von Luftschlägen, den autoritären Machthaber Nicolás Maduro und dessen Ehefrau gefangen genommen und außer Landes gebracht.
Es sei „eine brillante Operation“ gewesen, sagte Präsident Donald Trump in einem Telefoninterview mit der „New York Times“.
Ein kurzer Krieg?
Dass es zu einer militärischen Intervention kommen würde, war seit langem klar und im November des vergangenen Jahres auch schon in profil zu lesen: „Es handelt sich um Vorbereitungen für einen Krieg.“
Die beunruhigende Frage war lange Zeit, wie groß der US-Angriff ausfallen wird und welchen Blutzoll er fordern wird. Der Aufmarsch an Einheiten und Waffensystemen vor der Küste Venezuelas barg auch die Möglichkeit eines großangelegten Angriffs auf das 28-Millionen-Einwohner-Land mit Bodentruppen. Verglichen damit war das, was in der vergangenen Nacht passiert ist, weniger blutig.
Venezuelas Vizepräsidentin Rodríguez sprach davon, bei US-Luftschlägen wären „Beamte, Soldaten, Unschuldige und Zivilisten“ getötet worden. Die genaue Zahl der Todesopfer ist noch unklar. Nach Angaben der USA kam es bei der Operation auf eigener Seite zu keinen Verlusten.
Ob der Angriff völkerrechtlich legal war, ist sehr fraglich. US-Luftschläge gegen mutmaßliche Drogenboote, die meist aus Venezuela ablegten, standen bereits zuvor als völkerrechtswidrig in Kritik. Mehrere Staaten verurteilten die Militärintervention. Mexikos Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum Prado verwies auf Artikel 2, Absatz 4 der Charta der Vereinen Nationen, der alle Staaten verpflichtet, auf Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit jedes Staates zu verzichten.
Gelingt der Regimewechsel?
Hier gehen die offenen Fragen weiter. Gemäß der venezolanischen Verfassung soll Vizepräsidentin Rodríguez die Amtsgeschäfte übernehmen. Die USA will jedoch das Ende des System Maduro. Für sie kommen zwei Oppositionelle als Übergangspräsidenten in Frage: Edmundo Gonzalez, der bei der Präsidentschaftswahl 2024 gegen Maduro angetreten war und nach Ansicht der USA und der EU auch gewann, ehe die Wahlbehörde Maduro zum Sieger erklärte. Und María Corina Machado, die Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2025, die eigentlich bei der Wahl 2024 gegen Maduro antreten hätte sollen, der jedoch das passive Wahlrecht entzogen worden war.
Überlebte die Luftschläge: Innenminister Diosdado Cabello
Überlebte die Luftschläge: Innenminister Diosdado Cabello
Doch dafür müsste Venezuelas Militär, das von Maduro über ein Jahrzehnt überwacht und gesäubert wurde, einknicken. Venezuelas einflussreicher Innenminister Diosdado Cabello zeigte sich in einem Video umringt von bewaffneten Männern. Auch Verteidigungsminister Vladimir Padrino, der einen „massiven Einsatz“ von Venezuelas Militär ankündigte, hatte die Luftschläge überlebt, während Vizepräsidentin Rodríguez in einer TV-Ansprache von den USA ein Lebenszeichen Maduros forderte. Das Regime Maduros scheint vorerst intakt und plant womöglich mit den USA verhandeln.
Der in Venezuela ansässige Experte Phil Gunson von der Denkfabrik „International Crisis Group“ hatte im November im Gespräch mit profil von in Venezuela ansässige bewaffnete Gruppen, darunter Kartelle und regierungstreue Paramilitärs, gewarnt, die ein durch die USA ausgelöstes Machtvakuum stoßen könnten: „Die Geschichte hat gezeigt, dass man eine Regierung mit Raketen und Bomben stürzen kann. Aber für einen Regierungswechsel braucht es Bodentruppen.“ Mehr zu den Hintergründen lesen sie hier (ohne Paywall).