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profil macht schlau
05/04/2022

Machen Videospiele aggressiv?

Obwohl es schon mehrfach widerlegt wurde, vermuten viele Menschen immer noch einen Zusammenhang zwischen Gaming und aggressivem Verhalten.

von Ines Holzmüller

Angesichts vieler Computerspiele zwischen Fortnite und Grand Theft Auto (GTA), die den Kampf mit oder gar die Tötung von Spielcharakteren als Mechanik nutzen, machen sich viele Eltern Sorgen, welche Auswirkungen das auf ihre Kinder haben kann. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine befeuert erneut die „Killerspiel“-Debatte: Soll man seine Kinder „Krieg spielen“ lassen? Immer wieder wird dabei ein Zusammenhang zwischen virtueller und realer Welt vermutet, den es so einfach nicht gibt.

Tatsächlich hat die Videospiel-Industrie die Film- und Musikbranche wirtschaftlich bei Weitem überholt. Spiele haben also eine enorme gesellschaftliche Relevanz. Wie viele Filme und Bücher, gibt es auch Videospiele, die Gewalt thematisieren, übertreiben - manchmal gar parodieren. Wie gut oder schlecht das gemacht ist, kann man natürlich diskutieren. Das muss aber anhand einzelner Spiele passieren. Man kann nicht eine Gattung von Spielen über einen Kamm scheren.

Dass gewalttätige Spiele nicht zu einer höheren Gewaltbereitschaft der Spieler und Spielerinnen führen, ist mehrfach belegt, sogar in Langzeit-Studien. Über einen Zeitraum von zehn Jahren haben zum Beispiel Forscherinnen der Brigham Young Universität Kinder und Jugendliche begleitet und deren soziales Verhalten untersucht. Die Wissenschafterinnen konnten insgesamt keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Videospielen mit Gewaltdarstellungen und einer gesteigerten Aggressivität finden. Auch eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf mit Erwachsenen kam 2018 zu diesem Schluss: „Der in der Öffentlichkeit oft angeführte negative Einfluss von Gewalt-Videospielen auf das Verhalten der Spielerinnen und Spieler lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen.“

Auch eine Meta-Studie, also eine Studie, die Ergebnisse anderer Studien prüft, fand 2020 über 28 Studien hinweg keinen Zusammenhang zwischen Spielverhalten und gesteigerter Aggression. Forschende betonten im Gegensatz dazu den Nutzen von Videospielen zum Stressabbau und zur Sozialisierung in Pandemiezeiten. Positive Effekte wurden bereits durch erste Untersuchungen belegt. Gaming scheint also besser für uns zu sein, als viele es vermuten.

Die Überlebenssimulation aus einem polnischen Entwicklerstudio versucht die Grauen des Alltags in einer vom Krieg zerstörten Stadt begreifbar zu machen. Indem man eine Gruppe von bis zu vier Menschen kontrolliert, versucht man in den Ruinen zu überleben - zwischen Militär und Banditen. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine konfrontiert, gaben die Macher des Spiels bekannt, alle Einkünfte an das Rote Kreuz in der Ukraine zu spenden.

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Sie lesen einen Artikel aus der Serie "profil macht schlau", in der Fragen des Alltagslebens beantwortet werden. Näheres zu der Serie und weitere Teile können Sie hier nachlesen.

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