Andy Burnham hat gezeigt, dass er Reform UK schlagen kann. Mitte Juni gewann er den Wahlkreis im nordenglischen Makerfield mit 54,8 Prozent, Reform UK lag mit 34,5 Prozent abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Bei den Kommunalwahlen hatten die Rechtspopulisten in dem Wahlkreis noch gut 50 Prozent der Stimmen erhalten. Dass Burnham dort so klar siegte, macht vielen Parteileuten Hoffnung. Schließlich geht es darum, Reform UK bei den nächsten Parlamentswahlen von der Macht fernzuhalten und Wähler zu Labour zurückzuholen.
Dafür könnte Andi Burnham der richtige Mann sein. Er kennt das Geschäft seit 25 Jahren. Wo es Starmer an Instinkt fehlte, findet Burnham die richtigen Worte. Starmer ist trocken und farblos, Burnham zeigt sich schlagfertig und authentisch. Seinen nordenglischen Dialekt hat er nie abgelegt.
Geboren wurde Andrew Murray Burnham 1970 in Aintree in der Nähe von Liverpool, der Vater war Ingenieur, die Mutter Arzthelferin. Im Alter von 15 Jahren trat Burnham in die Labour-Partei ein, nach der Schule studierte er Anglistik in Cambridge. Er arbeitete als Berater für eine Labour-Abgeordnete und für den Kulturminister, bevor er 2001 ins Unterhaus einzog. Fünf Jahre später wurde er Staatssekretär, unter Premier Gordon Brown Gesundheitsminister. Im Jahr 2017 wurde er zum Bürgermeister von Greater Manchester gewählt, 2021 und 2024 im Amt bestätigt.
Während der Coronapandemie stellte er sich gegen die strikten Maßnahmen des damaligen Premiers Boris Johnson, was ihm den Spitznamen „König des Nordens“ einbrachte. Als Bürgermeister stellte er die Buslinien wieder unter öffentliche Kontrolle, seither kostet eine Fahrt höchstens zwei Pfund. Burnham setzte Maßnahmen gegen Obdachlosigkeit und arbeitete mit anderen progressiven Kräften zusammen, um Investments in der Region anzutreiben. „Business-Friendly Socialism“ nennt er diese Strategie, und sie scheint zu funktionieren. Manchester blühte auf, und Burnham ist der beliebteste Labour-Politiker des Landes.
Als „Electoral Gold Dust“ (Wahlkampf-Goldstaub) bezeichnete ihn der linksliberale „Guardian“ kürzlich. Wasser, Energie, Wohnen und Verkehr will Burnham unter stärkere öffentliche Kontrolle bringen; der Staat soll reformiert, Regionen gestärkt und Befugnisse an Bürgermeister übertragen werden. In Manchester soll gar ein Ableger der Regierung entstehen, ein „Number 10 North“.
Wenn alles läuft wie geplant, dann ist Burnham bald der siebte Premierminister seit dem Brexit-Referendum von 2016. Der letzte, der eine ganze Amtsperiode überstand, war David Cameron, das ist zehn Jahre her. Seither wurden Premierminister regelmäßig ausgetauscht, doch die Probleme blieben dieselben: wirtschaftliche Stagnation, hohe Lebenshaltungskosten, regionale Ungleichheiten und ein maroder Sozialstaat.
Andy Burnham gehört nicht zur Londoner Elite, sondern kann sich glaubwürdig von der verhassten Regierung seines Vorgängers distanzieren. Womöglich ist das sein größter Vorteil.