Wie glaubwürdig sind die Aussagen von Thomas Schmid?
„Vergiss nicht – du hackelst im ÖVP-Kabinett!! Du bist die Hure für dich (sic!) reichen!“, schrieb Thomas Schmid, damals Kabinettschef im Finanzministerium, im Jänner 2017 an einen Mitarbeiter. „Ich bin so glücklich :-))) Ich liebe meinen Kanzler“, textete er im März 2019 an Sebastian Kurz (ÖVP). Und: „Wenn seine Dummheit verhindert dass ich in die obag darf bin ich echt sauer“, schrieb Schmid 2018 einem Mitarbeiter über seinen damaligen Chef, Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP). Das ist der alte Thomas Schmid. Ein Vertrauter des Ex-Kanzlers Kurz, ÖVP-Parteisoldat durch und durch. Einer, der sich – laut Verdachtslage – dafür eingesetzt hat, dem in der Volkspartei gut vernetzten Top-Manager Siegfried Wolf bei einem Steuerproblem zu helfen. Wolf weist jegliches Fehlverhalten zurück. Einer, der über seinen Chef Löger herzog, wie man es nur tun sollte, wenn man seinen Job schnellstmöglich loswerden möchte. Der alte Thomas Schmid war ein Machtmensch, der – wenn es ihm passte – vor keinen Hierarchien haltmachte. Und möglicherweise auch nicht vor dem Gesetz.
Der neue Thomas Schmid zeichnet ein gänzlich anderes Bild von sich selbst. Er gibt sich geläutert, Österreich und seine Politik beobachtet der gebürtige Tiroler mittlerweile aus der Ferne, seinen Hauptwohnsitz hat er nach Amsterdam verlegt. Anders als in seinem früheren Job als Alleinvorstand der Staatsholding ÖBAG managt er dort nicht mehr das Tafelsilber der Republik – er investiert laut Medienberichten in Start-ups. In welche, möchte er nicht sagen.
Schmid belastet Wöginger schwer
Weniger wortkarg zeigte sich der neue Thomas Schmid in seiner Zeugeneinvernahme im Postenschacher-Prozess gegen ÖVP-Klubobmann August Wöginger und zwei mitangeklagte Finanzbeamte. Ihnen wird vorgeworfen, bei der Besetzung des Chef-Postens am Finanzamt Braunau-Ried-Schärding zugunsten eines ÖVP-Bürgermeisters interveniert zu haben. Schmid belastet vor allem Wöginger schwer: Mehrfach sagte er im Zeugenstand, dass es der Wunsch des Klubobmanns gewesen sei, „dass der Bürgermeister es werden soll“. Damit hätte sich Wöginger womöglich der Anstiftung zum Amtsmissbrauch schuldig gemacht. Neben Wöginger bestreiten auch die beiden weiteren Angeklagten sämtliche Vorwürfe; es gilt die Unschuldsvermutung.
Eigentlich könnte Thomas Schmid selbst neben den drei Beschuldigten sitzen. Denn er soll – seiner eigenen Darstellung zufolge – die mutmaßliche Intervention Wögingers an den zweitangeklagten ÖVP-nahen Personalvertreter weitergegeben haben. Dieser wiederum soll dann seinen Einfluss im Hearing für die Leitungsposition geltend gemacht und den ÖVP-Bürgermeister besser bewertet haben als noch wenige Wochen zuvor: Bei der Bewerbung rund um die Leitung des Finanzamts Freistadt-Rohrbach-Urfahr ging der Ortschef noch leer aus. Weil Schmid aber seit April 2022 mit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) kooperiert und seit Jahresende 2024 offiziell Kronzeuge ist, wird er straffrei bleiben.
Doch wie glaubhaft ist der Wandel vom alten zum neuen Thomas Schmid?