Illustration zum Thema Wechseljahre, eine Frau liegt in der Ncht wach
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Wechseljahre: „Plötzlich war ich wieder ich“

Im Schnitt kostet diese Phase Frauen bis zu sieben Prozent ihres Gehalts. Wie kommen sie gut durch die Zeit der radikalen Hormonumstellung?

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Die Symptome kamen schleichend. Es war 2020, die Pandemie hatte das Land zum Stillstand verdonnert. Anna Wagners* Leben hingegen beschleunigte sich: Im Homeoffice tauchte sie tief in den Förderdschungel der Coronahilfen ein und beriet völlig überforderte Unternehmen im Akkord; neben ihr am Küchentisch saßen zwei Schulkinder, mit denen sie nebenbei Rechenaufgaben löste und Deutschaufsätze schrieb. In den Nächten kam die Wienerin kaum zur Ruhe, schreckte nach höchstens drei Stunden Schlaf auf. Hatte sie etwas Wichtiges vergessen? Wie sollte sie den morgigen Tag überstehen? Irgendwann war alles zu viel: Wagner bekam akute Atemnot und landete in der Notaufnahme.

Antidepressiva statt echter Hilfe

„Ich hatte Angst zu ersticken“, erinnert sie sich im profil-Gespräch. Die Diagnose: eine Panikattacke. Nach einer weiteren Attacke verschrieb man ihr Antidepressiva. Wagner begann eine Therapie, machte Yoga und reduzierte den Stress, der ihr früher kaum etwas anhaben konnte. Drei Mal versuchte sie, die Antidepressiva abzusetzen, ohne Erfolg. „Ich kannte mich so nicht. Ich war immer ein lebenslustiger Mensch.“ Irgendwann kam Wagner die Idee, dass die Wechseljahre etwas damit zu tun haben könnten. Weil ihr Gynäkologe ihr nicht weiterhelfen konnte, suchte sie eine Spezialistin auf – und fand nach knapp fünf Jahren endlich wirkliche Hilfe.

Wie Anna Wagner geht es vielen Frauen in Österreich. Gynäkologen sind mit dem Thema Klimakterium häufig überfordert. Zudem ist die Angst vor Hormontherapien bei den Patientinnen nach wie vor groß. Gleichzeitig verwandeln sogenannte Meno-Influencerinnen das Tabuthema gerade in einen Hype – und Unternehmen wittern das große Geschäft. Wundermittel, kühlende BH-Einlagen, Intimcremes, Fitnesspläne: Die Liste der Selfcare-Produkte ist mittlerweile endlos. Was aber hilft wirklich? Wie kommt Frau gut durch diese Phase zwischen etwa 45 und 55, in der sich der Hormonhaushalt radikal umstellt?

Nicht alle Frauen leiden

Zunächst einmal: Nicht jede Frau leidet in den Wechseljahren, welche Medizinerinnen in verschiedene Phasen einteilen. Nach der Perimenopause, der Zeitphase vor dem Ausbleiben der Menstruation, kommt die Menopause, der Zeitpunkt der letzten Menstruation, der mindestens zwölf Monate lang keine Blutung folgt. Daran schließt die Postmenopause an. Die gute Nachricht: Ein Drittel der Frauen übersteht diese Phasen ohne gröbere Beschwerden. Ein weiteres Drittel hat leichte Symptome, und das verbliebene Drittel leidet massiv – so wie Anna Wagner.

Franziska Dzugan

Franziska Dzugan

schreibt für das Wissenschaftsressort, ihre Schwerpunkte sind Klima, Medizin, Biodiversität, Bodenversiegelung und Crime.