Ungarns rechtsnationaler Regierungschef Viktor Orban

Ungarns rechtsnationaler Regierungschef Viktor Orbán 

© APA - Austria Presse Agentur

profil-Morgenpost
04/09/2021

Presse und Freiheit!

Alles wird gut, oder zumindest anders: Unser Autor wundert sich über Ungarn und freut sich auf die Zeit nach Pandemie.

von Philip Dulle

Immer wieder muss man sich wundern, was alles möglich ist. Am Mittwochabend hat das ungarische Staatsfernsehen meine Kollegin Franziska Tschinderle in der Hauptnachrichtensendung attackiert. In dem dreiminütigen Beitrag wurden mehrere Screenshots von einer Bitte um Stellungnahme gezeigt, die Tschinderle an die Fidesz-Fraktion im Europaparlament geschickt hatte. Sie habe EU-Abgeordnete der ungarischen Regierungspartei Fidesz „mit Fragen provoziert“, hieß es in der Sendung, und: „nur Amateurjournalisten stellen solche Fragen“. Ein weitere O-Ton aus dem Beitrag: „Die europäische linksliberale Presse hat eine beispiellose Attacke gestartet.“

profil-Herausgeber und -Chefredakteur Christian Rainer konterte auf Twitter: „Das ist eine beispiellose, nein beispielhafte Attacke auf die Pressefreiheit und eine profil-Journalistin - durch jenes Regime, zu dem Österreichs Regierung eine ambivalente und regelmäßig kritiklose Haltung einnimmt.“ Auch Tschinderle meldete sich auf profil.at zu Wort: „Es geht hier nicht nur um profil oder Österreich. Es geht hier vor allem auch um die Kolleg:innen, die so etwas täglich oder wöchentlich erleben müssen. Ihnen gilt unsere vollste Solidarität! Ihnen müssen wir weiter zuhören.“

Apropos Freiheit. Während der Corona-Lockdown (zumindest in Ostösterreich) in die x-te Verlängerung geht, machen wir uns bei profil sicherheitshalber schon mal Gedanken über die Zeit nach dieser unsäglichen Pandemie. Endlich Zeit für Vorfreude, Leben, Glamour. Das ist gut, das ist wichtig, und weil die Sache mit den Menschen und dem Virus nun einmal kompliziert ist, wird vieles in gewohnter Weise zurückkommen, aber dennoch ganz anders sein. TrendforscherInnen, PsychologInnen und UnternehmensberaterInnen sind sich, das haben meine KollegInnen Angelika Hager und Sebastian Hofer aus dem Gesellschaftsressort eruiert, in dieser Frage ausnahmsweise einig. Corona wirke in allen Lebensbereichen wie ein Brandbeschleuniger, so die Quintessenz der vierteiligen Recherche-Serie (hier geht es zum Online-Dossier). In unserem aktuellen Plauder-Podcast sprechen Hager und Hofer über das Leben danach – und die Post-Pandemie-Bedeutung von Reisen, Kulinarik, Wohnen und Mode. Drängende Fragen: Bleibt die Jogginghose das beliebteste Kleidungsstück? Werden wir statt der Weltreise lieber mit dem Cinquecento nach Italien (oder nur nach Vorarlberg) reisen – und wird das Homeoffice jetzt erst so richtig hyggelig?

Kein Post-Pandemie-Life ohne ein richtiges Konzert, denke ich mir. Die Wiener Musikerin Mira Lu Kovacs hat dieser Tage ihr erstes richtiges Soloalbum veröffentlicht – und das überrascht dann schon. Immerhin ist die 33-Jährige seit Jahren nicht aus der österreichischen Popwelt wegzudenken; sie orchestrierte das Indiepop-Trio Schmieds Puls, experimentiert mit den Elektrofeingeistern von 5K HD und spielt Gitarre bei der Supergroup My Ugly Clementine. „What Else Can Break“ ist nun ein reduziertes Singer-Songwriter-Meisterstück der Radical Softness geworden und man kann es gar nicht erwarten, diese Songs live zu erleben.

Seine Kraft zieht das Coronaalbum (Kovacs hat es zwischen den Lockdowns geschrieben) der gebürtigen Burgenländerin aus den täglichen Krisen – und das ist hier nicht nur keckes MusikerInnen-Klischee. Aus einem Jahr ohne Struktur und Plan ist ein wunderbar kohärentes Popalbum entsprungen; die zwölf Songs sind aufwühlend und verletzlich („84“), reduziert und verspielt („Most Beautiful Boy“), laut („Want You“) und oft viel leiser („Zufriedenheit 1999“). So verliert sich „What Else Can Break“ nicht im Lamentieren über die Pandemie, sondern betreibt eine emotionale Nabelschau – und erinnert mit ihren ruhigen bis gehauchten Gitarrensongs („Stay A Little Longer“) an die US-Musikerin Adrianne Lenker.

Alles wird gut.

Philip Dulle

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