Der syrische Ex-General Khaled H. wird aus der U-Haft in den Gerichtssaal geführt.
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Verurteilter Assad-General: Anklage gegen Ex-BVTler zurückgezogen

Ein syrischer Ex-Geheimdienstoffizier wurde in Wien – nicht rechtskräftig – wegen Folter verurteilt. Währenddessen sitzt ein früherer Top-BVT-Beamter, der ihm einst zu Asyl verhalf, unbehelligt in Dubai.

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Es ist ein Satz für die österreichischen Nachrichtendienst-Geschichtsbücher: „Dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) liegen keinerlei Informationen vor, dass Khaled H. (…) in Syrien in Kriegsverbrechen oder sonstige Straftaten involviert gewesen ist.“ Gezeichnet: Abteilungsleiter Martin Weiss am 16. November 2015. Dieser Persilschein, der damals an die Asylbehörde ging, ist nicht gut gealtert. 

Genau jener Khaled H. wurde am Montag am Wiener Straflandesgericht wegen Folter und Gewalt im Dienste des früheren syrischen Diktators Baschar Al-Assad erstinstanzlich zu acht Jahren Haft verurteilt. Noch nie hat es einen derartigen Prozess in Wien gegeben – und er ist eng mit einer für Österreich wenig rühmlichen Geheimdienstaffäre verknüpft.

H. war 2015 nach Österreich gekommen – und dies auf ganz anderem Wege, als syrische Asylwerber üblicherweise ins Land gelangen. Er stieg in Frankreich in ein Diplomatenauto und ließ sich vom israelischen Geheimdienst Mossad an die österreichische Grenze bringen. Dort nahm ihn dann ein Kollege vom BVT in Empfang. Khaled H. war bis 2013 General des syrischen Geheimdienstes gewesen.

Die Israelis wollten ihn als Quelle nutzen, und der österreichische Nachrichtendienst hatte sich dazu bereit erklärt, für die passenden Lebensumstände zu sorgen. Nur zweieinhalb Wochen nach dem eingangs zitierten Schreiben von Martin Weiss – damals oberster Nachrichtendienst-Chef im BVT, heute flüchtiger Kompagnon von Ex-Wirecard-Vorstand und Kreml-Spion Jan Marsalek – erhielt H. Asylstatus.

Stefan Melichar

Stefan Melichar

ist Chefreporter bei profil. Der Investigativ- und Wirtschaftsjournalist ist Mitglied beim International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). 2022 wurde er mit dem Prälat-Leopold-Ungar-Journalist*innenpreis ausgezeichnet.

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.