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profil macht schlau
06/10/2022

Wie lernt mein Kind am besten schwimmen?

Generation Nichtschwimmer? Bitte nicht! Was Sie jetzt tun können, damit Ihr Kind das Schwimmen lernt.

von Philip Dulle

Es ist Badewetter, der Sommerurlaub steht vor der Tür, doch Corona wirft auch hier einen Schatten auf den unbeschwerten Badespaß. Schwimmtrainings konnten in den letzten Pandemiejahren nicht wie geplant stattfinden, Hallenbäder waren geschlossen, Schulschwimmkurse wurden auf die nächste Saison verschoben. Höchste Zeit, die verlorene Zeit nachzuholen. Aber was soll man beachten, wenn das Kind noch nicht schwimmen kann? Wir fragen Rebecca McLaughlin, Schwimmtrainerin aus Großbritannien, die heute in Wien lebt und arbeitet: Sollen auch Babys schon ins Wasser? Wie nützlich sind Schwimmflügel? Wie umgehen mit Ängsten? Wie kann man als Elternteil die Kinder unterstützen – und gibt es noch Hoffnung, wenn ich als älterer Mensch immer noch nicht schwimmen kann? Die Britin, die in ihrer Heimat als Rettungsschwimmerin gearbeitet hat, kennt sich mit dem Thema Wasser bestens aus, hat Erwachsenen-, Kinder- und Babykurse abgehalten, hielt in Bristol Schulkurse und hat mit Fortgeschrittenen gearbeitet. Seit 2019 unterrichtet die 30-Jährige nun in Wien.

Der beste Rat für alle Kinder, die Angst vor dem Wasser haben, ist, einfach weiterzuschwimmen."

Rebecca McLaughlin, Schwimmtrainerin

Wann ist das beste Alter, um mit dem Schwimmen zu beginnen?

So früh wie möglich! Schwimmen ist eine ausgezeichnete körperliche und geistige Stimulation für Babys und die perfekte Gelegenheit, eine Bindung zu ihren primären Bezugspersonen aufzubauen, da die Aktivität Hautkontakt erfordert. Die Empfehlungen variieren, aber Babys können bereits ab ein paar Monaten ins Schwimmbad gehen.

Warum ist es so wichtig, dass Kinder so früh wie möglich schwimmen lernen?

Kinder haben eine enorme Lernfähigkeit, und in diesem Sinne ist es mit dem Schwimmen wie mit jeder anderen Fertigkeit: je früher, desto besser. Es ist jedoch wichtig, die körperlichen Grenzen von Kindern zu berücksichtigen. Es ist unrealistisch und für jüngere Kinder oft nicht möglich, den Arm beim Kraulen über das Wasser zu heben, da sie nicht die nötige Rumpfkraft haben, um eine solche Bewegung auszuführen.

Was können Eltern konkret tun?

Die Gewöhnung an das Wasser, die Wasseratemtechnik und die Stromlinienform sind die wichtigsten Elemente, die ein Kind zunächst lernen sollte. Wenn der Körper erst einmal die richtige Position eingenommen hat (Gesicht im Wasser, Beine und Arme gestreckt, Stromlinienform), ist das Schwimmen relativ einfach zu erlernen.

Hilft Babyschwimmen, Kindern die Angst vor dem Wasser zu nehmen?

Wenn Kinder von klein auf mit einer Umgebung in Berührung kommen, kann dies mögliche spätere Ängste verringern. In einer Umgebung, die gefährlich sein kann, ist Vorsicht nicht unbedingt etwas Schlechtes.

Muss ich beim Babyschwimmen etwas Bestimmtes beachten?

Für Säuglinge und Kleinkinder ist eine spezielle Schwimmwindel ein absolutes Muss. Normale Windeln dürfen im Schwimmbad nicht getragen werden, da sie zu viel Wasser aufnehmen und reißen können, wodurch Chemikalien ins Wasser gelangen und das Kind mit unnötigem Gewicht belasten können. Achtung: Selbst wenn das Kind schon auf die Toilette geht, können die Bewegungen und das Wasser den Stuhlgang auslösen.

Und bei älteren Kindern?

Ältere Kinder können ihre eigenen körperlichen Grenzen durch Aktivitäten im Schwimmbad – wie Sprünge ins Wasser – ausreizen und durch das Erlernen neuer Fähigkeiten Erfolgserlebnisse haben. Für Eltern und Betreuer ist es wichtig, ihnen die Sicherheit beim Schwimmen beizubringen: im Schwimmbecken bis zum Kinn stehen zu können, im Beckenbereich zu gehen und nicht zu rennen, sicher hinein- und hinauszuklettern und gute Hygienepraktiken anzuwenden (z. B. Duschen, bevor man ins Wasser geht).

Was kann ich tun, wenn mein Kind generell Angst vor dem Wasser hat?

Kinder haben Angst vor dem Wasser, wenn man es ihnen so beigebracht hat. Deshalb ist es wichtig, dass Erwachsene ihre eigenen Ängste vor dem Wasser für sich behalten und das Schwimmen zu einer positiven Erfahrung machen. Schränken Sie niemals eine Lernerfahrung ein. Am schwierigsten ist es, einem Kind etwas beizubringen, wenn ein Elternteil Dinge sagt wie: "Mein Kind will nicht mit dem Gesicht ins Wasser." So werden negative Assoziationen zum Schwimmen verstärkt. Der beste Rat für alle Kinder, die Angst vor dem Wasser haben, ist, einfach weiterzuschwimmen.

Wie lange sollten Kinder Schwimmflügel benutzen?

Ich persönlich halte nichts von Schwimmflügeln. Ihre Positionierung am Arm führt dazu, dass die Kinder aufrecht im Wasser bleiben, obwohl die richtige Schwimmhaltung viel näher in der Waagerechten im Wasser liegt. Außerdem schränken die Flügel die Armbewegungen des Kindes ein. Ein Gummiring, der so klein wie möglich ist, ohne dass das Kind hängen bleibt, und der gleichzeitig Auftrieb hat, oder eine Schwimmnudel unter den Achseln sind bessere Hilfsmittel.

Brauche ich professionelle Trainer - oder können es die Eltern auch?

Eltern können durchaus die Grundlagen für eine positive Assoziation mit dem Wasser schaffen und dem Kind helfen, sich sicher zu fühlen, aber ich würde immer dafür plädieren, dass ein Profi die richtige Technik vermittelt. In der Gruppe können die Kinder voneinander lernen, die Kameradschaft fördern und gleichzeitig die effektivsten Schwimmtechniken erlernen.

Sollte das Schwimmen in den Wintermonaten ab und zu aufgefrischt werden?

Kinder sollten im Winter keine Schwimmpause einlegen. Hallenbäder sind beheizt – und es ist unzumutbar, von Kindern zu erwarten, dass sie sich an Fähigkeiten erinnern, die sie vielleicht sechs Monate zuvor gelernt haben. Das Gleiche gilt für Lesen, Schreiben und Musikinstrumente spielen – durch konsequentes Training werden Fähigkeiten fürs Leben erworben.

Wenn mein Kind ein Schwimmabzeichen erworben hat, muss ich trotzdem noch aufpassen?

Kinder müssen im Wasser zu 100 Prozent beaufsichtigt werden. Ein Kind unbeaufsichtigt im Wasser zu lassen, ist Irrsinn. Selbst geübte Schwimmer können müde werden und nicht mehr an den Beckenrand zurückkehren, ein Kind könnte versehentlich Wasser einatmen oder die Orientierung verlieren. In wildem Wasser können unerwartete Strömungen oder Wellen selbst die stärksten erwachsenen Schwimmer leicht überwältigen.

Gibt es Übungen, die ich mit meinem Kind auch im Trockenen machen kann?

Jede Aktivität, die die Beweglichkeit, Koordination oder Kraft des Kindes fördert, ist für das Schwimmen nützlich. Im Grunde zählt: Kinder sollten sich mindestens 30 Minuten pro Tag bewegen.

Ist Schwimmen überhaupt gesund für Kinder?

Ja. Schwimmen fördert die Koordination des gesamten Körpers, beansprucht alle Muskelgruppen und ist eine lebensrettende Fähigkeit. Es ist nicht nur gesund, sondern sollte sogar Pflicht sein.

Können ältere Menschen noch sicher schwimmen lernen?

Als ich in Großbritannien unterrichtet habe, war mein ältester Schwimmer 75 Jahre alt. Er war bis weit in seine Sechziger hinein Nichtschwimmer und machte das Schwimmen zu seinem Ruhestandsprojekt. Er passte seine Schwimmzüge an seine leicht eingeschränkte Beweglichkeit an (er drehte sich zum Beispiel beim Kraulen fast vollständig auf den Rücken, um zu atmen) und machte längere Pausen zwischen den Zügen.

Ist es nie zu spät, sich ins Wasser zu wagen?

Schwimmen oder auch Wassergymnastik (Gehen, Laufen, Bewegungen im Wasser) sind hervorragend für ältere Menschen geeignet. Vor allem für diejenigen, die sturzgefährdet sind, solange sie richtig gestützt werden. Die Fähigkeit, schwimmen zu können, wird häufig durch ethnische, geografische und sozioökonomische Unterschiede beeinträchtigt. Viele Menschen hatten vielleicht in ihrer Jugend nicht die Möglichkeit, schwimmen zu lernen, aber jetzt ist die beste Zeit, damit anzufangen!

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Sie lesen einen Artikel aus der Serie "profil macht schlau", in der Fragen des Alltagslebens beantwortet werden. Näheres zu der Serie und weitere Teile können Sie hier nachlesen.

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