Iran Holds Dayslong Funeral For Late Ayatollah Ali Khamenei
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Iran Holds Dayslong Funeral For Late Ayatollah Ali Khamenei
Iranischer Regime-Gegner: „Die Menschen im Iran verfluchen Trump“
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Geht es nach Donald Trump, dann sollte der Krieg gegen den Iran längst vorbei sein. Zu Kriegsbeginn Ende Februar hatte der US-Präsident die Operation „Epic Fury“ („Epischer Zorn“) auf vier bis sechs Wochen anberaumt. Mittlerweile sind es mehr als viereinhalb Monate, und Ende ist keines in Sicht. Laut dem Sender CNN behauptete Trump bis Anfang Juni mindestens 38 Mal, dass ein Abkommen für ein Kriegsende in greifbarer Nähe wäre. Inzwischen sind noch einige Male dazugekommen. Tatsächlich aber sind Washington und Teheran von einem Friedensvertrag weit entfernt. Vergangene Woche flogen die USA wieder Angriffe auf den Iran, und dieser attackierte Tanker vor Omans Küste sowie US-Verbündete am Golf.
© AFP/APA/AFP/US Central Command via AFPTV/HANDOUT
Der Krieg um die Straße von Hormus ist wieder in vollem Gange. Von Trumps ursprünglichen Zielen, darunter die Befreiung des iranischen Volkes, ist keine Rede mehr.
Seit Kriegsbeginn geht das iranische Regime noch härter gegen Oppositionelle vor. Einer davon ist Arash, ein Schriftsteller aus Teheran, der in Wahrheit anders heißt und mit profil seit Ende Februar in Kontakt steht. Das Regime hat das Internet weitgehend abgedreht, doch Arash weiß die Sperre zu umgehen. Über einen sicheren Kanal schickt er Nachrichten und Fotos. Manchmal vergehen einige Tage, bis die Fragen aus Wien ankommen und Arash antworten kann.
Seine Nachrichten geben einen Einblick in den Alltag in der iranischen Hauptstadt. Bisher erzählte Arash vom Jubel der Menschen nach Bombenangriffen auf Einrichtungen des Regimes, von täglichen Hinrichtungen Oppositioneller, explodierenden Lebensmittelpreisen und unleistbaren Medikamenten.
Im Iran, schreibt Arash, herrsche ein Klima der Angst. „Die radikalste Ausprägung der Islamischen Republik hat sich durchgesetzt und die Kontrolle über die Revolutionsgarde sowie die Sicherheits- und Justizbehörden übernommen.“
Dass die Führung in Teheran einem Deal mit Washington zustimmt, hält er für nahezu ausgeschlossen: „Es wird keine Einigung geben, es sei denn, es geschieht ein Wunder!“
„Wie ein Wolfsrudel im Winter“
Wie viele Regimegegner im Iran hoffte Arash, dass der Krieg die theokratische Militärdiktatur stürzen würde. Im vergangenen Dezember, zu Beginn der landesweiten Demonstrationen im Iran, hatte Trump angekündigt, den Menschen zu Hilfe zu kommen, sollte das Regime auf sie schießen. Doch die Unterstützung blieb aus, Zehntausende starben bei der brutalen Niederschlagung der Proteste. Als die USA und Israel Ende Februar ihre Luftangriffe auf den Iran starteten, sprach Trump sogar von einem Regimewechsel in Teheran. In einer Rede wandte er sich direkt an das iranische Volk: „Übernehmt die Regierung, wenn wir mit den Bombardements fertig sind!“
„Onkel Trump“ nannten Regimegegner den US-Präsidenten in der Hoffnung, er könnte den jahrzehntelangen Repressionen ein Ende setzen. Inzwischen sind die Hoffnungen verpufft. Es überwiegt die Überzeugung, dass es Trump nie um Freiheit für die Menschen ging. „Er fühlt sich dem iranischen Volk gegenüber in keiner Weise verantwortlich“, schreibt Arash. „Trump hat keines seiner Versprechen gehalten.“
Oppositionelle wie Arash hoffen nicht vorrangig auf Frieden, sondern vielmehr auf einen Sturz des Regimes. Während eines Angriffs auf Regierungsgebäude in Teheran hätten die Menschen auf den Straßen gejubelt, schreibt er nach der gescheiterten Waffenruhe im April. „Sie warten darauf, dass der Krieg wieder ausbricht. Sie wünschen sich, dass die Regierung so schnell wie möglich gestürzt wird.“
Das Regime sei noch repressiver geworden, und jeder, der sich widersetze, werde auf brutalste Weise unterdrückt: „Die Herrscher der Islamischen Republik gleichen einem Wolfsrudel im Winter – wer Schwäche zeigt, wird zerfleischt.“
Wir hatten gehofft, dass Trump und Netanjahu uns tatsächlich zu Hilfe kommen würden.
Regime-Gegner Arash
Die Führung in Teheran nutzt den Krieg, um Repressionen zu rechtfertigen. Das Internet wurde mit dem Argument der ausländischen Einmischung abgedreht, wer die Sperre umgeht, riskiert drakonische Strafen. Vor Gericht wird Oppositionellen häufig Spionage für feindliche Kräfte vorgeworfen. Donald Trump habe dem Regime einen Vorwand für die Brutalität gegen das eigene Volk geliefert, schreibt Arash.
In Verhandlungen gegen Oppositionelle legten die Richter zwei Postings aus den sozialen Medien als zentrale Beweismittel vor. Auf X und Truth Social hatten US-Präsident Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu Hilfe für die Demonstranten versprochen, dies nutzten die Richter als Grundlage für ihre Urteile gegen Regimekritiker. „Warum hast du dein Land wegen Trump verraten?“, laute die erste Frage, und häufig verhängten die Richter die Todesstrafe. „Wir hatten gehofft, dass Trump und Netanjahu uns tatsächlich zu Hilfe kommen würden“, schreibt Arash. Doch nun sei alles noch schlimmer als zuvor.
Die Kosten für Medikamente haben sich nahezu verfünffacht.
Regime-Gegner Arash
Seit Kriegsbeginn würden nahezu täglich junge Menschen hingerichtet, viele noch keine 20 Jahre alt. Arash besuchte Familien von Hingerichteten, die wochenlang auf die Herausgabe der sterblichen Überreste warten. „Grausamkeit ist kein Begriff, um das zu beschreiben“, sagt Arash. Eine Zeit lang schickte er profil jeden Tag eine Liste mit Namen und Alter der Exekutierten.
„Das Leben ist für alle schwer geworden“
Von den aktuellen US-Luftangriffen merke man in Teheran nichts, schreibt Arash – die Bombardements finden im Süden und im Norden des Landes statt. Doch der Krieg hat überall seine Spuren hinterlassen. Das Leben sei für alle schwieriger geworden, die hohen Preise seien ständig Gesprächsthema. Millionen Menschen hätten ihre Jobs verloren, die Inflation steige täglich, Brot sei doppelt so teuer wie vor Kriegsbeginn. Über Ersparnisse verfüge kaum noch jemand.
Ende Mai war Arash in einen Autounfall geraten. Er selbst hatte Glück, aber ein Freund wurde schwer verletzt und musste ins Krankenhaus. Während Arashs Besuchen im Spital hätten ihm Krebspatienten erzählt, dass sie ihre Behandlung vorzeitig beenden müssten. „Sie können sich die Behandlung nicht mehr leisten. Die Kosten für Medikamente haben sich nahezu verfünffacht“, schreibt Arash, „es ist eine Katastrophe.“
Mitte Juni ist Arash mehrere Tage nicht erreichbar. Zuvor wurden Leute aus seinem Umfeld verhaftet, und er äußerte Sorgen darüber, dass es auch ihn treffen könnte. „Es ist, als ob jemand vor deiner Tür lauert und jederzeit hereinstürzen könnte“, hatte er im Mai geschrieben. An einem Freitagnachmittag kommt Entwarnung. „Ich wollte dir schon seit ein paar Tagen schreiben. Leider war ich etwas niedergeschlagen und habe mich kaum mit anderen unterhalten.“
Ein paar Wochen zuvor hatte Arash die iranische Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi in ihrer Wohnung in Teheran besucht. Wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes war sie vorübergehend aus der Haft entlassen worden. Arash war froh, über die Begegnung berichten zu können, doch kurze Zeit darauf stirbt eine Freundin, und er fällt in ein Loch. Denkt er daran, das Land zu verlassen? „Menschen in meinem Alter, die wegwollen, haben das bereits getan“, schreibt er. „Wir leisten weiterhin Widerstand, um unser Land von den islamistischen Extremisten zurückzuerobern.“
Widerstand, das bedeutet im Iran klandestine Treffen, Regimekritik hinter vorgehaltener Hand und die Umgehung der strengen Internetsperre, um sich mit ausländischen Journalisten und Bekannten im Exil auszutauschen. Eine neue Protestwelle ist derzeit so gut wie ausgeschlossen.
Keine Hoffnung für Opposition
Die Menschen, sagt Arash, seien in einer sehr schlechten psychischen und emotionalen Verfassung: „Es gibt keinen Hoffnungsschimmer.“ Während des achtjährigen Krieges mit dem Irak in den 1980er-Jahren sei er ein Kind gewesen, und selbst damals sei die Lage nicht dermaßen aussichtslos gewesen wie heute. Der Iran befände sich in einem Abwärtsstrudel.
Es ist der 20. Juni, zwei Tage zuvor vereinbarten der Iran und die USA eine Waffenpause, doch das hebt Arashs Stimmung nicht. Die Regierung sei nicht in der Lage, Ordnung und Frieden aufrechtzuerhalten, „das gilt vor allem für die Wirtschaft“.
Die Vereinbarung zwischen Washington und Teheran sei eine große Enttäuschung. „Die Menschen verfluchen Trump für seine Einmischung“, schreibt Arash.
Das Rahmenabkommen zwischen den USA und Teheran ist äußerst vage formuliert. Innerhalb von 60 Tagen soll ein Friedensabkommen ausgearbeitet werden, Washington will den Fokus auf Irans Atomprogramm legen. Für die Operation „Epic Fury“ hatte Donald Trump ursprünglich konkrete Ziele ausgegeben. Dazu gehörte, den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern, sein Raketenarsenal zu dezimieren und die Unterstützung von verbündeten Terrororganisationen zu beenden. Auch von Freiheit für das iranische Volk war die Rede. Im Rahmenabkommen steht davon nichts mehr.
Der Deal ist ein Sieg für den Iran und eine Niederlage für die USA. Im Zentrum der Vereinbarung steht die Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr – also lediglich eine Rückkehr zur Situation vor dem Krieg. Doch der Passus ist so vage formuliert, dass beide Seiten ihre eigenen Vorstellungen hineininterpretieren können. Weil diese weit auseinanderliegen, scheitert bald auch die Waffenpause.
Der Iran besteht darauf, die Seestraße weiterhin zu kontrollieren, und bombardiert Tanker in der Straße von Hormus sowie Ziele in Bahrain, Jordanien und Kuwait. Die USA fordern freie Fahrt für Handelsschiffe – und greifen wieder Städte im Iran an. Mehr als 20 Prozent des weltweiten Handels mit Öl und Gas müssen die Meerenge passieren. Eine Schließung der Straße von Hormus bedeutet grobe Verwerfungen an den Weltmärkten. Der Ölpreis steigt wieder, das macht sich auch an US-Tankstellen bemerkbar.
In den staatlichen Medien wird von morgens bis abends davon gesprochen, Trump zu töten.
Regime-Gegner Arash
Das kann Trump, dessen Republikanische Partei im Herbst Zwischenwahlen zu schlagen hat, nicht gebrauchen. Während jeder weitere Kriegstag Trumps Position schwächt und ihn von seiner MAGA-Basis entfremdet, muss das Regime im Iran nichts weiter tun, als durchzuhalten. Der US-Präsident steht vor einem Dilemma, aus dem er so einfach nicht herauskommt. Im Krieg mit dem Iran führt seine Strategie des Drohens und Erpressens nicht wie üblich zum Erfolg.
Donald Trump – und wohl auch Benjamin Netanjahu – hatten gehofft, dass mit der Ausschaltung der politischen und militärischen Führung im Iran pragmatischere Kräfte das Ruder übernehmen würden. Das ist nicht geschehen, im Gegenteil.
„Ständig wird davon gesprochen, Trump zu töten“
Mitte der Woche schickt Arash ein Foto von Aufklebern, wie sie überall in Teheran angebracht seien. „Ein Wort: Rache“, steht auf einem, und daneben: „Blutrache für den Führer – mit einer Atombombe“.
Die fast einwöchige, pompös inszenierte Trauerfeier für den durch einen israelischen Luftschlag getöteten iranischen Staatschef Ajatollah Ali Khamenei ist soeben zu Ende gegangen. Am Rande der Zeremonie sprach Arash in Teheran mit Anhängern des Regimes. Viele seien enttäuscht gewesen, weil die Route überraschend verkürzt wurde und sie den Wagen mit Khameneis Sarg nicht sehen konnten. Zu den Feierlichkeiten seien viel weniger Menschen gekommen, als das Regime angekündigt hatte.
Das Amt des Geistlichen Führers hat Khameneis Sohn Modschtaba Khamenei übernommen, und er kündigte Vergeltung an. „Diese Rache ist der Wille unserer Nation und muss unweigerlich vollzogen werden“, schrieb er in einem am vergangenen Samstag veröffentlichten Brief. Das „Blut“ seines Vaters und aller „Märtyrer“ der Kriege gegen Israel und die USA müsse gerächt werden. „In den staatlichen Medien – einschließlich Radio und Fernsehen – wird von morgens bis abends davon gesprochen, Trump zu töten“, schreibt Arash. Bei der Trauerfeier für Khamenei hätten Regimeanhänger Parolen über Rache und die Ermordung Trumps skandiert.
Ich bin schon lange die Nummer eins auf der Todesliste des Iran.
US-Präsident Donald Trump
In den USA ist die Botschaft offenbar angekommen. Für den Fall eines Anschlags auf ihn habe er bereits Vorkehrungen getroffen, sagte Trump Ende vergangener Woche gegenüber der Boulevardzeitung „New York Post“. Die USA würden den Iran „in einem Ausmaß bombardieren, wie sie es noch nie zuvor erlebt haben“. Und den NATO-Gipfel in Ankara verließ Trump wenige Tage zuvor nicht mit der Air Force One, sondern mit einem anderen Flugzeug. Offenbar hatte der israelische Geheimdienst Mossad gewarnt, die Maschine – ein Geschenk Katars an den US-Präsidenten – sei nicht sicher. „Ich bin schon lange die Nummer eins auf der Todesliste des Iran“, sagte Trump.
Das klingt nicht nach einem raschen Ende des Krieges.
Arash glaubt nicht daran, dass ein Kriegsende das Leben der Menschen in seinem Land verbessern würde. „Der Fortbestand der Islamischen Republik schadet dem Iran“, schreibt er. Ohne einen blutigen Krieg werde das Regime nicht verschwinden.
Siobhán Geets
ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.