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Selbst kritische Experten stellen der Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos ein passables Zwischenzeugnis aus. Jetzt will sie Fakten schaffen, die auch Kickl-Fans überzeugen. Zur Gefahr wird der weitere Sparkurs.

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Volkstribun wird aus Christian Stocker keiner mehr. Mittwochabend fand sich der Bundeskanzler zum politischen Aschermittwoch der Kärntner ÖVP in der Klagenfurter Messehalle ein. Für gute Christen ist es der Tag der Umkehr und Neubesinnung – für Politiker eine Gelegenheit, den Fasching mit einer derb-deftigen Rede einen Tag zu überziehen. FPÖ-Obmann Herbert Kickl zeigt es jährlich in der Jahnturnhalle in Ried im Innkreis vor. Christian Stocker gibt sich christlicher: In seiner Rede in Klagenfurt verzichtete er weitgehend auf Attacken und sprach lieber über die Kompetenzen seiner ÖVP: „Wir haben den Strompreis gesenkt, die Gehälter im öffentlichen Dienst neu verhandelt und die Pensionen unter der Inflation erhöht. Danke an alle für das Verständnis dafür!“

Verständnis aus der Bevölkerung kann Stocker gebrauchen. Vor einem Jahr, am 3. März 2025, wurde die schwarz-rot-pinke Bundesregierung angelobt. Die Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und Neos glückte erst im zweiten Anlauf und ist das gewagteste politische Experiment der jüngeren Zeitgeschichte: geboren zur Verhinderung eines „Volkskanzlers“ Kickl; getragen vom gemeinsamen Kampf gegen Defizit, Inflation und Wirtschaftskrise; und nun erstmals gestresst durch Alleingänge der Regierungsspitzen. 

Die Regierung ist besser als ihr Ruf – doch hinter ihren bisherigen Erfolgen stehen drei Fragezeichen: Wie nachhaltig ist das leichte Wirtschaftswachstum? Wird der notwendige Sparkurs beibehalten? Und wie wirken sich die schlechten Umfragewerte auf Stabilität und Reformfreude der drei Parteien aus?

Laut dem im Dezember 2025 veröffentlichten „Demokratie Monitor“ des Meinungsforschungsinstituts Foresight haben nur 32 Prozent der Bevölkerung Vertrauen in die Regierung – zu Unrecht, wie Christoph Badelt, als Präsident des Fiskalrates eigentlich ein besonders lauter Kritiker, meint: „Die Regierung hat in ihrem ersten Jahr einen ganz guten Job gemacht. In der Antiinflationspolitik ist der Druck auf die Energieerzeuger, den Strompreis unten zu halten, durchaus erfolgreich. Aber jetzt ist es überfällig, die großen Reformen zu starten.“ 

Vor allem in den Bereichen Förderungen und Pensionen fordert Badelt große Würfe. Bei der Staatsreform hat sich die Regierung festgelegt: Bis Ende 2026 will sie in einer Reformpartnerschaft mit Ländern und Gemeinden substanzielle Änderungen bei Verwaltung, Energie, Gesundheit und Bildung umsetzen.

Fixiertes Doppelbudget

Gernot Bauer

Gernot Bauer

ist seit 1998 Innenpolitik-Redakteur im profil und seit 2025 Leiter des Innenpolitik-Ressorts. Co-Autor der ersten unautorisierten Biografie von FPÖ-Obmann Herbert Kickl.

Max Miller

Max Miller

ist seit Mai 2023 Innenpolitik-Redakteur bei profil. Schaut aufs große Ganze, kritzelt gerne und mag Grafiken. War zuvor bei der „Kleinen Zeitung“.

Clemens Neuhold

Clemens Neuhold

Seit 2015 in der profil-Innenpolitik, davor bei Wiener Zeitung, Migrantenmagazin biber und KURIER. Seine Recherchen beschäftigen sich vor allem mit Zuwanderung, Bildung und Gesundheit.