Musste einiges an Hate einstecken: Rebecca Black

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Aufgedreht
10/29/2021

Cringe-Pop: Verdreh die Augen!

„Cringe“ ist das Jugendwort des Jahres und zeigt: Die Popkultur ist schon viel weiter.

von Lena Leibetseder, Philip Dulle

Ein Crash-Kurs in den linguistischen Feinheiten der Generation Z:  Cringe – das frisch gewählte Jugendwort des Jahres – wird, einfach vom Englischen ins Deutsche übertragen, mit Fremdscham gleichgesetzt und kann als Adjektiv (cringy), als Verb (ich cringe, du cringest) und als Nomen (der Cringe) gleichermaßen verwendet werden.

Cringe ist zudem immer auch ein Werturteil: Meist hat ein Erwachsener, heißt Boomer, etwas total Peinliches gesagt oder getan. Als Jugendlicher kann man da – Achtung: cringe – nur die Augen verdrehen.
Klingt einleuchtend? Ist es auch, wenn die Sache nicht einen popkulturellen Haken hätte. Die kalifornische Musikerin Rebecca Black, heute 24, hat bereits 2011 mit dem YouTube-Hit „Friday“ das Genre Cringe-Pop begründet.

Denn: Für ihre nasal vorgetragene Wochenend-Ode musste Black damals einiges an Online-Hass einstecken. Heute wird „Friday“ mit einem ähnlichen Habitus gehört, wie unter anderem der italienische Trash-DJ Gigi D’Agostino („L’amour toujours“) konsumiert wird: Die Musik ist cringy, sie ist aber – und das ist jetzt völlig unironisch gemeint – durchaus tanzbar.

Im heutigen Pop-Zeitgeist, in dem klassische Genres wie R’n’B, Rock, Hip-Hop oder Techno kaum noch Bedeutung haben, ist Cringe-Pop nicht nur die logische Antwort auf den nach Distinktionsgewinn getrimmten Musikgeschmack der Eltern, es spiegelt auch den Gefühlshaushalt einer ganzen Generation wider. Im freien Spiel der Stile ist alles erlaubt – und die Jugend feiert ein Leben ohne Grenzen.

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Jetzt auf Spotify: Die Songs der Woche von Lena Leibetseder und Philip Dulle in der Aufgedreht-Playlist. Jeden Freitag neu.

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