© Hendrik Schneider

Aufgedreht
12/17/2021

Bilderbuch rettet Weihnachten

Österreichs wichtigste Popband schickt uns Liebesgrüße aus Amerika.

von Philip Dulle

Es gibt eine Welt da draußen, einen Ort außerhalb der eigenen vier Wände. Das muss man sich dieser Tage immer wieder vor Augen führen, oder besser: in Auge und Ohr streamen. Am einfachsten geht das natürlich in der bunten Zwischenwelt aus Kunst, Pop und Tanz. Wie passend, dass uns die österreichischen Musik-Feingeister Bilderbuch so knapp vor Weihnachten noch ein Liebeslied von ihrer aktuellen Amerika-Tournee schicken. „Stromkabel hängen übers Feld / Irgendwo zwischen deiner und meiner Welt“, säuselt Frontmann Maurice Ernst, 33, und lässt Bilder entstehen, die man sich im grauen Advent-Österreich nur zu gerne ausmalt: „Ein Robot saugt ein Hotel / Swimmingpool, I'm watching it / Und denk' an dich.“

So fühlt sie sich also an, die digitale Sehnsucht zwischen den Kontinenten, immer nur einen Klick entfernt; man ist sich nah – und doch so unfassbar fern. Bilderbuch brauchen für dieses Liebeskummergefühl nur ein paar verzerrte Gitarren, ein wenig Funk, Glamrock und sehr gegenwärtige Reime: „Keine Distanz zwischen uns ist weit genug / Flüster nur meinen Namen / Durch dein Display / Und ich bin da, wo immer du bist, bin ich da.“ Die Single „Zwischen deiner und meiner Welt“ knüpft nun da an, wo ihre beiden davor veröffentlichten Lieder aufgehört haben; Bilderbuch klingt in den Jahren der Pandemie nach sexy bis verpeiltem Indie-Pop („Nahuel Huapi“) und leicht angetrunkenem Corona-Weltschmerz („Daydrinking“). Am 25. März 2022 veröffentlichen sie ihren neuen Longplayer „Gelb ist das Feld“ – und das darf man jetzt schon als die Farbe des neuen Jahres ausrufen.

 

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