Shirin David und ihr Album "Bitches brauchen Rap"

Deutscher Rap am Puls der Zeit: Shirin David, aufgewachsen in Hamburg-Bramfeld

© Universal Music

Aufgedreht
11/26/2021

„Bitches brauchen Rap“ von Shirin David: Überdosis Babsi-Bass

Nicht nur „Bitches brauchen Rap“: Warum der Feminismus Vorbilder wie die Rapperin Shirin David braucht.

von Philip Dulle, Lena Leibetseder

Die gute Nachricht zu Beginn: Die sogenannten Männerdomänen bröckeln, sie implodieren, lösen sich in Luft auf. Schon bald wird sich niemand mehr daran erinnern, dass Deutschrap ein primär männlich bespieltes Feld war, mit prahlerischen Ansagen und sexistischen Reimen. Spätestens 2021, und das führt uns direkt zu Shirin David, sind es die souveränen, schrillen Rapperinnen, die mit starken Ansagen glänzen und sich, bitte entschuldigen Sie die angestaubte Floskel, kein Blatt vor den Mund nehmen: „Breit gebaut, braun gebrannt / Ich fick deine Hantelbank.“ David, 26, heißt eigentlich Barbara Davidavičius und hat bereits im Zuge der Deutschrap-#MeToo-Bewegung vor ein paar Monaten bewiesen, dass sie sich nicht nur nichts gefallen lässt, sondern sich auch eloquent für von sexueller Gewalt betroffene Frauen einsetzt. Der Erfolg, das beweisen Streaming-Zahlen und plumpe Anfeindungen, gibt ihr ohnehin recht.

Es ist kein Wunder, dass die geballte Kraft gekränkter (HipHop-)Männlichkeit auch angesichts ihres soeben erschienenen zweiten Albums noch fragt, ob der ehemalige YouTube-Star Rap mit Attitüde und Schnauze überhaupt machen darf: „Alle wollen Realtalk, Face to Face auf männlich / Doch zwei Minuten Babsi-Bass, und du fühlst dich offended.“ Denn „Bitches brauchen Rap“ ist schlicht und einfach eine Pop-Sensation. Davids Songs sind voll mit Beats von der Straße („Depressionen und Paradies“) und erzählen eine Coming-of-Age-Geschichte mit vorläufigem Happy End: ihr Aufwachsen in Hamburg-Bramfeld („Bramfeld Storys“), das Ausbrechen aus der Enge, vom Suchen und Finden des Ich-bin-Ichs. Als Vorbilder dienen hier US-Rapperinnen wie Cardi B, Megan Thee Stallion und Nicki Minaj; für den Feminismus sind diese Frauen heute essenziell. Man sollte Shirin David eine überlebensgroße Statue bauen – wenn sie selbst nicht schon längst daran arbeiten würde.

Von RAF Camora über "Squid Game" bis Adele: Alle Aufgedreht-Kolumnen lesen Sie unter profil.at/aufgedreht.

Jetzt auf Spotify: Die Songs der Woche von Lena Leibetseder und Philip Dulle in der Aufgedreht-Playlist. Jeden Freitag neu.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.