Romy Schneider als "Sissi"

Romy Schneider spielte sie, jetzt macht Netflix eine Serie über "Sisi".

© ORF/kineos

Aufgedreht
12/24/2021

Popstar "Sissi": In Grießbrei gepappt

Kitsch für trostlose Zeiten: Wie man mit der “Sissi”-Trilogie gut durch die Omikron-Weihnachten kommt.

von Philip Dulle

"Wenn du einmal Kummer und Sorgen hast, dann geh mit offenen Augen durch den Wald”, rät der Vater der jungen Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn – und was soll man sagen: Besser kann man nicht durch diesen Seuchen-Winter kommen. Wer sich im Jahr 2 n. C. nach den täglichen 10.000 Schritten durch Wald und Wiesen in der Kitsch-Trilogie „Sissi“ verliert, wird merken, wie gut und schnell so ein Feiertags- und Corona-Eskapismus funktionieren kann. Dass der Streaming-Riese Netflix die drei Filme der Seifenoper (Regie: Ernst Marischka) Anfang Dezember ins Retro-Sortiment aufgenommen hat, darf also kein Zufall sein. Denn Kaiserin Elisabeth alias Sisi (in der Verkörperung von Romy Schneider) ist nicht nur in Wien und Österreich eine Popikone, die als Projektionsfläche für alle Dramen zwischen Selbstermächtigung, Romantik, Tristesse und Lebensdrama herhalten kann.

Als der erste „Sissi“-Teil im Dezember 1955 in Wien zur Premiere gebracht wurde, gab es zwar keine globale Pandemie, dafür ein paar Kriegsjahre zu verdrängen: Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm spiegeln seither – und dies vor allem zur Weihnachtszeit – das Bedürfnis nach der ewig heilen Welt. Ein Leben wie in Grießbrei gepappt, würde Schneider, in Anlehnung an ihr berühmtes Zitat („Sie pappt an mir wie Grießbrei“), heute wohl sagen.

So ist es wenig verwunderlich, dass diese Schicksalsjahre einer Kaiserin aktuell in unterschiedlichen Formaten interpretiert werden, die sich zudem den Anspruch erlauben, die Historie ein wenig genauer zu nehmen. RTL+ startete erst kürzlich den Versuch, mit „Sisi“ an „The Crown“-Erfolge anzuschließen. Bei der Präsentation der Miniserie in Cannes zeigte sich Hauptdarstellerin Dominique Devenport hoffnungsfroh, dass das Remake sich von der Marischka-Interpretation befreien könne. 2022 geht der Reigen munter weiter: Da soll nicht nur die deutsche Netflix-Reihe „The Empress“ sowie „Corsage“, Marie Kreutzers feministische Kinointerpretation des Stoffs mit Vicky Krieps, starten, „Sisi und ich“ heißt zudem ein Film der Regisseurin Frauke Finsterwalde und des Autors Christian Kracht ("Eurotrash"), der im Frühjahr in die hoffentlich geöffneten Kinos kommen soll. Bis uns die warme Jahreszeit hoffentlich aus dem Kreislauf aus Welle, Lockdown, Impfkampagne und Öffnungsschritten (vorerst) zu befreien vermag, bleibt wohl nur die Rückschau auf längst vergangene Popkultur-Zeiten.

 

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