Essensprüfung im „Dschungelcamp“ mit  Anouschka Renzi, Linda Nobat und Harald Glööckler

© RTL/Stefan Menne

Aufgedreht
01/28/2022

Trash-TV „Dschungelcamp“: Mensch im Urwald

So sind wir nicht? Warum wir 2022 noch immer über Trash-TV wie das „Dschungelcamp“ und „DSDS“ reden müssen.

von Philip Dulle, Lena Leibetseder

Die Frage, die uns seit Jahren quält: Warum schauen wir uns Reality-TV wie das „Dschungelcamp“ an? Klar: Eskapismus, Schadenfreude – oder einfach nur schnöde Unterhaltung kurz vorm Einschlafen. 2022 müsste die Frage aber lauten: Warum strahlt RTL die Wegwerf-Serie noch aus?

Grundsätzlich geht es im Fernsehdschungel darum, Objekte in den Mund zu nehmen, die man grundsätzlich nicht in den Mund nehmen will, dem Wettkampf-Reglement folgend aber muss: Ochsenpenisse, Schafsaugen, Truthahn-Hoden. In der aktuellen 15. Staffel kam es zu einer folgenreichen Eskalation und einer daraus resultierender Lernkurve: Es gibt auch Wörter, die man nicht in den Mund nehmen sollte. In Kurzfassung: heftiger Streit zwischen zwei Kandidatinnen; eine rassistische Beleidigung; eine Entschuldigung ohne Reue. Dann der Rauswurf. Merke: Der Dschungel hat seine eigenen Regeln, gesetzlos ist er nicht. Doch gelten diese Gesetze für den Haussender RTL nicht? Oder warum musste der minutenlange Eklat bis zur letzten Sekunde ausgestrahlt werden?

 

Das Ende des Verkaufsschlagers Trash-TV ist damit keineswegs eingeläutet; auch die Suche nach dem nächsten Gesangs-Superstar („DSDS“) dreht auf RTL aktuell die 19. Runde. Ab nächster Woche ist der Reality-Reigen komplett, wenn Heidi „Knallchargen-Pathos“ Klum (schlagen Sie nach bei Roger Willemsen) in der mittlerweile 17. Staffel von „Germany“s Next Topmodel“ Laufsteg-Aspirantinnen im altbekannten Falsetto durch Shootings und Modeschauen jagt. Bleibt die Erkenntnis: Reality-TV hält uns Menschen vor den Empfangsgeräten nur einen Spiegel vor. So sind wir nicht? Doch, so sind wir. Am Ende ist der Mensch selbst ein Dschungel.

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