Aufgedreht

„Bridgerton“: Ist das Kitsch oder kann das weg?

Die falschen, aber schönen Versprechungen des bunten Netflix-Hits „Bridgerton“.

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Ein Problem mit aktuellen TV-Serien besteht oft darin, dass man gerne mehr in sie hineininterpretiert, als eigentlich in ihnen steckt. Im Fall des kürzlich in die zweite Staffel gestarteten Streaming-Erfolgs „Bridgerton“ (produziert von „Grey’s Anatomy“-Erfinderin Shonda Rhimes) betrifft dies die Themen Feminismus und Diversität. Auch wenn ein beliebtes Popkulturgut lautstark nach empowerment und diversity schreit, ist es vielleicht trotzdem nur gut gemachter Kitsch.

„Bridgerton“ basiert auf den Romanen der US-Autorin Julia Quinn, und man kann darin sehr schönen Menschen im England der Regency-Ära zusehen, wie sie um ihre zukünftigen Partnerinnen und Partner buhlen. Protokolliert und befeuert wird das Balzverhalten von der Klatschreporterin Lady Whistledown, die in gedruckten Depeschen über die Intrigen, Liebeleien und Skandälchen berichtet.

Während die Frauen hier zwar die Hauptrollen besetzen, reproduziert „Bridgerton“ doch fast nur klassische Boy-meets-Girl-Geschichten und kümmert sich um die unbearbeiteten (Kindheits-)Traumata der Männer. Diese Ungleichstellung mag den historischen Gegebenheiten entsprechen, bisweilen wird das romantisierte Patriarchat jedoch sehr anstrengend. Der Rassismus wird dafür von King George III. höchstpersönlich ausgehebelt: Er verliebt sich in Queen Charlotte, eine person of colour – und verkündet anschließend eine geeinte Gesellschaft. Wäre das Leben nur immer so einfach. 

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Philip Dulle

Philip Dulle

1983 in Kärnten geboren. Studium der Politikwissenschaft in Wien. Seit 2009 Redakteur bei profil. Hat ein Herz für Podcasts, Popkultur und Basketball.

Lena Leibetseder

Lena Leibetseder

ist seit 2020 im Online-Ressort bei profil und Teil des faktiv-Teams. Schreibt über Popkultur und Politik.