Charli XCX und Rosalía

Charli XCX (l.) und Rosalía (r.)

© Warner Music/SonyMusic/Columbia

Aufgedreht
03/25/2022

Rosalía und Charli XCX: Mach kaputt, Baby!

Selbstbestimmte Pop-Heldinnen: Wie Rosalía und Charli XCX die Pop-Gegenwart neu schreiben.

von Philip Dulle

Ist die Popwelt mehr als nur eine Projektionsfläche, ein Hort verstaubter Rollenbilder und der Immer-wieder-Neudeutung bereits bestehender Sounds und Stile? Hört man die neuen Alben der Twentysomething-Künstlerinnen Rosalía und Charli XCX, bekommt man ein Gefühl, wie massentaugliche Popmusik gegenwärtig klingt und gedeutet werden muss: Dieser Hyperpop, der zwischen scharfkantigen Beats und expliziten Lyrics changiert, ist klar feministisch konnotiert und schickt den männlichen Popzirkus auf die Ersatzbank. Die Britin Charlotte Emma Aitchison, besser bekannt unter ihrem Künstlerinnennamen Charli XCX, treibt das ironische Spiel mit Popklischees (im Song „Baby“) nicht nur auf die Spitze, sie fährt die übersexualisiert-toxische Welt der Celebrities zwischen Fame und Ausbeutung lieber gleich gegen die Wand („Crash“). Getreu dem alten Spruch: Macht kaputt, was euch kaputt macht.

Ein Album des Jahres hat die Katalanin Rosalía Vila Tobella in diesen ersten Frühlingstagen veröffentlicht. Ihr Ziel: Latin-Pop soll die neue globale Einheitswährung werden. In 16 Songs respektive 42 Minuten erschafft sie ein Popjuwel. Denn: „Motomami“ ist eine Sammlung elektronischer Rhythmik mit lateinamerikanischer Folklore, die zwischen zarten Klavier-Balladen, Reggaeton-Versatzstücken und leidenschaftlichem Dance-Pop nicht mehr unterscheiden muss. Im Video zur Single „Saoko“ erlebt man Rosalía mit ihrer All-female-Gang auf einem Motorradtrip durch die Stadt, und sie macht klar: Uns gehört nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft des Pop.

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